Ihre Augen sind größer, dunkler und grasgrüner und stehen weiter auseinanderstehen als die von Laetitia Casta. Ihre Haut ist
bronzefarbener, reiner und samtiger ist als die von Verona Feldbusch. Sie sieht schöner aus als Catherine Deneuve in ihren besten Filmen. Sie trägt perfekte, akkurate, steingrau-stählerne Kostüme mit mattsilbernen Knöpfen. Dazu passend die ebenfalls steingraue Nylons, von denen der linke eine verräterisch wirkende Laufmasche aufweist, die man einfach verfolgen muß bis in den hochsitzenden Rock hinein: was für herrlich schlanke Beine sie doch hat und wie knapp der Rock sitzt - ohne Laufmasche wäre einem das gar nicht aufgefallen. Und die makellosen Knie. Sie ist die schönste Politikerin aller Zeiten, viel schöner und betörender als es Benazir Bhutto je war.
Sie fährt einen 70 000 Mark teuren Audi A6 mit Chauffeur und hat einen Zweitwohnsitz in Irland. Dort sitzt sie am liebsten im irischen Abendlicht auf einem runden, irischen Hügel, und blickt auf "ihre" Bucht, an der Schwanenfamilien und Fischreiher vorbeiziehen.
Und natürlich kennt sie auch das Gefühl von Glück als Rausch. Wenn sie frisch verliebt ist etwa, wenn sie durch die Welt läuft wie in Trance, nichts mehr um sich sieht, nichts mehr richtig wahrnimmt, an nichts mehr denken kann als an diesen einen Menschen. Da ist sie jenseits von Zeit und Raum, von Politik und Gesellschaft, das ist einfach das Schönste für sie, das es gibt.
Ihr Liebslingsbild ist die "Sixtinische Madonna" von Raphael. Ebenso wie diese geht sie barfüssig, verletzlich, das Kind schützend und selbst ungeschützt, in eine Welt, von der sie - zu Recht - wenig Gutes erwartet. Aber sie geht nicht demütig gebeugt, sondern in Würde, ihrer Schönheit, Weiblichkeit und Überlegenheit bewusst. Unangreifbar, weil in sich ungebrochen in einer Zeit, deren Rollenverständnis Frauen die fatale Wahl zwischen unterwürfiger Hausmutter und maskuliner Emanze aufzuzwingen scheint.
So lieben wir sie: "unsere" Sarah Wagenknecht - wie man in der Redaktion von Heiss&Fettig sagt. Wenn ihr Name fällt, schweigen die Redakteure für einen Moment und ihr Blick gleitet über die grossformatigen Bilder und Poster, die die Redaktionswände über und über bedecken.
Aber zu unserem bitteren Leidwesen gibt es auch noch eine "andere" Sarah Wagenknecht: das stalinistische Teufelchen, die schöne Querulantin. Sie ist nämlich auch die Vorsitzende der "Kommunistischen Plattform" in der Partei der ewiggestrigen DDR-Nostalgiker, der PDS, ihr Anrufbeantworter spielt die Melodie der DDR-Hymne "Auferstanden aus Ruinen", und in ihrem Arbeitszimmer hat sie die DDR-Flagge und die rote Arbeiterfahne arrangiert. Alles ohne jegliche Ironie. Sie propagiert sozialistische Wirtschaftsstrukturen und kämpft gegen die Kriegsstrategie der amerikanischen Regierung. Sie ist zwar eine Engelsgestalt, aber eben auch eine Engelsgestalt des Sozialismus. Ja, so ist sie auch - "unsere" Sarah Wagenknecht. Wir wissen nicht, warum sie so etwas AUCH ist, und wollen wollen es auch gar nicht wissen. Wir denken nur an ihre grossen, dunklen und grasgrünen Augen und wünschen uns, wir sässen mit ihr auf einem irischen Hügel und wären eine Laufmasche, die langsam und wie in Trance unter ihrem knappen, steingrauen Rock verschwindet...
hs
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