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Nick Igels Kulturtagebuch
"Das tat beim Abreißen dann weh wie Schwein"

Erste Maiwoche:
Endlich Neues aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht genug damit, dass die Amerikaner uns schon jetzt die Schankrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 abgekauft haben und wir beim Fußballfest im Münchner Olympiastadion nur mehr amerikanisches Bier trinken und fetttriefende amerikanische Snacks essen dürfen (vgl. George Bush jr.: "Die Haxe des Bösen"). Nein, die spinnerten Amerikaner planen schon den nächsten Angriff auf den guten Geschmack und wollen uns jetzt auch noch die freie Sicht auf schöne Frauenkörper nehmen. Janet Jackson fällt darunter zwar explizit nicht, insofern können wir "Nippelgate" in diesem Zusammenhang mal außer Betracht lassen. Aber der Staat Louisiana hat im Mai doch tatsächlich ein Gesetz verabschiedet, wonach das Tragen von jenen tief sitzenden Hosen, die Blicke auf Schamhaare, Teile des Hinterns oder auf die Unterwäsche erlauben, künftig mit Geldstrafe belegt wird. 175 Dollar oder drei Tage gemeinnützige Arbeit soll der Spaß kosten. Soll mir ja Recht sein, nur leider, der Anblick breitärschiger Burgerbunker und hochadipöser Hendlfriedhöfe made in USA bleibt uns deswegen ja noch lange nicht erspart. Was besonders angenehm ist, wenn sich die Kameraden auch noch in enge rosafarbene Sportbekleidung zwängen. Wie wäre es denn, wenn man dem Gesetz gleich noch einen Zusatz anfügte, wonach stark übergewichtige Amis ihr Haus gar nicht mehr oder nur noch versteckt unter geeigneten überwurfartigen Bekleidungsstücken aus dem arabischen Raum (ausgerechnet!) verlassen dürfen. Und nach Europa nur noch reisen dürfen, wenn Sie unseren sonnigen Kontinent auf dem Globus zweifelsfrei ausfindig zu machen in der Lage sind.

Und gleich noch eine Frage: Wie passt das Ganze eigentlich zu einer Meldung die mich zeitgleich aus Washington erreicht hat. Dort wird künftig eine Fernsehserie laufen, in der 17 Kandidatinnen, die - so das Programmheft - "unter dem Gesichtspunkt besonderer Hässlichkeit ausgewählt worden sind", über geschlagene drei Monate hinweg "vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan umgestaltet werden". Und zwar vor laufender Kamera. Die Zuschauer dürfen mitbestimmen, wie groß die Brüste werden sollen, wie voll die Lippen werden dürfen und wie der Neigungswinkel der Nase und wahrscheinlich auch der Böschungswinkel der Schamhaare auszufallen hat. "The Swan" heißt das fleischbeschauliche Werk, das selbst die deutsche "Beautyklinik" von Dr. Jansen noch in den Schatten stellt. Tja und dann, dann kommen die fertigen Schwäne nach Louisiana und dürfen die künstliche Pracht nicht mal herzeigen? Das verstehe, wer will!


Dr. Igel und "Krankenschwester"
warten auf die Patientinnen bei "The Swan"

Dazu Honoré Balzac in Physiologie der Ehe: "Die Frau ist ein Eigentum, das der Mann mit der Eheschließung vertragsmäßig erwirbt und zwar ein bewegliches Eigentum. (...) Kurz und gut, die Frau ist im eigentlichen Sinne nur ein Anhängsel des Mannes. (...) Die Natur hat sie zu unserem Gebrauch geschaffen." Na wenn das so ist, dann ist die Operation bei "The Swan" ja nur so etwas ähnliches wie wenn ich die Fassade meines Gartenhauses neu streichen, mein Auto tiefer legen oder mein Wochenendhaus unterkellern lasse. Der Jurist würde wohl davon sprechen, dass die Frauen in "The Swan" lediglich zum "vertragsmäßigen Gebrauch" hergerichtet werden.

Interessant auch Maupassant: "Betrachten wir die Frauen! Ihre größte geistige Anstrengung besteht darin, die Farben und Schnitte der Stoffe zu kombinieren, mit denen sie ihren Körper verhüllen, um ihn begehrenswert zu machen. Was für ein Elend" ("Par-délà" in "Gil Blas" vom 10. 6. 1884) Hätte Maupassant damals schon geahnt, dass man sich kaum 120 Jahre später auch schon Farbe und Schnittmuster des Gesichts würde aussuchen können, er hätte wahrscheinlich so viel Abstand vom weiblichen Geschlecht genommen, dass er sich die Syphillis erspart hätte.

Zweite Maiwoche:
Habemus Papam. Die Bundespräsidentenwahl ist endlich vorbei. Horst Köhler (das ist bekanntlich der Komparativ von "Kohl") wird künftig dafür sorgen, dass unser Land der Globalisierung furchtlos die von Dr. Jansen persönlich geliftete Stirn bieten kann. Und wir können uns wieder den wichtigen Dingen widmen. Wie zum Beispiel der neuen Staffel von Big Brother, die keines Blickes zu würdigen ich mir von Beginn an gelobt hatte. Bis, ja bis... der Sender einen Paukenschlag landete und den fabelhaften Frank Fussbroich für den Glotzen-Gulag rekrutierte. Und schon steigt das intellektuelle Niveau Richtung Atomphysik. Wie sonst, wenn nicht mit der einsteinschen Relativitätstheorie wäre beispielsweise das von Zellengenossin Franziska aufgestellte Paradoxon zu lösen: "Der Frank is kein Sitzpinkler, und der macht beim Pissen nie die Brille hoch. Und vor allem lässt er sie nach dem Pinkeln dann auch noch oben, so dass es jeder merkt."
An Poesie kaum zu überbieten auch die Einlassungen unseres alten Fußpilzes zu einigen Abenteuern aus seiner Sturm- und Drangzeit "Isch happ mer da mal nen Abdruck von meinem Aaasch machen wollen, mit Gips. Und wie der Gips dann hacht war unn wie isch versucht happ den wieda abzumachen, da hatten sisch die Aaaschhaare voll drin verfangen. Obwoool isch mer die eigentlisch rasiert hatte. Abba isch happ wohl nit alle erwisch. Das tat beim Abreißen dann weh wie Schwein." Nun, wer von uns hätte nicht schon mit diesem Problem zu kämpfen gehabt? Aber man muss schon bis tief in die deutsche Hochromantik zurückgehen, um eine ähnlich feinfühlige und bildhafte Darstellung dieses allzumenschlichen Vorgangs zu finden (vgl. von Berlichingen gesammelte Aussprüche und Werke, Band III am Ende).
Davon abgesehen wird im Konzern-KZ von RTLII natürlich auch wieder gepoppt und flachgelegt was das Zeug hält. Vor allem die weiblichen Häftlinge legen es offenbar darauf an, ins Guinness-Buch der Sex-Rekorde zu kommen. Auch hier bringt Maupassant Aufschluss: "Bei den Frauen gibt es keine gesellschaftliche Klasse. Sie stellen in der Gesellschaft lediglich vermittels derer etwas dar, von denen sie geheiratet oder protegiert werden." ("Chronique" in Le Gaulois vom 20. Juli 1882). Oh Scheiße! An wen wollen die im Container sich denn ranmachen? Karriereziel: Frau von Frank Fussbruch? Spinnt Ihr eigentlich, Ihr Weibsbilder? Das ist ja noch schlimmer denn als "Zahnarztfrau" zu enden.

Dritte Maiwoche:
Da haben wir Männer andere Probleme. Aus Nürnberg berichtet ddp von einem 14-jährigen, der vor dem Oberlandesgericht in dritter Instanz gegen einen Kioskbesitzer klagte. Forderung: Zahlung von 5.150 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Begründung: Der Jugendliche hatte an dem Kiosk Bier und Schnaps gekauft und nach dem Genuss dieser Alkoholika den internen Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen müssen - vulgo an einen nahestehenden Baum gepinkelt. Anschließend hatte er den Reißverschluss der Hose zu schnell wieder nach oben gezogen und sich die Vorhaut eingeklemmt. Erst im Krankenhaus konnte er befreit werden, wobei der Reißverschluss und ein Teil seiner Vorhaut auf der Strecke blieben. Der Jugendliche argumentierte nun, der Kioskbesitzer hätte ihm nach Jugendschutzgesetz gar keinen Alkohol verkaufen dürfen und sei daher für die im alkoholisierten Zustand verursachte Verletzung sowie für die Beschädigung der Hose verantwortlich. Anders das Oberlandesgericht. Klage abgewiesen! Begründung: Die fehlerhafte Benützung eines Reißverschlusses sei kein typischer alkoholbedingter Unfall. Stimmt! Schließlich sah Meister Timberlake bei der fehlerhaften Benützung der Janet-Jackson-Oberbekleidung auch noch relativ nüchtern aus. Erst anschließend soll er sich die Tante heftig schöngesoffen haben. Und, was das Gericht schamhaft verschweigt: Der Kläger hat doch auf diese Weise kostenlos den ersten Schritt zum "swan" getan. Oder auch zu einer Konvertierung zum jüdischen Glauben. Hat doch was! Allerdings: Nachdem der Reißverschluss nun dauerhaft kaputt ist, würde ich die Hose beim Louisiana-Urlaub lieber zuhause lassen.


Klage abgewiesen

Vierte Maiwoche:
Bleibt noch die Frage nach der überflüssigen Frau des Monats. Mit Abstand vorn: Die schwedische Biologin Svea Wiigh, die ein neues Verfahren entwickelt hat, menschliche Leichen als Kompost nutzbar zu machen. Die Kadaver werden bei minus 196 Grad schockgefroren und sodann durch mechanisches Rütteln in grobkörniges Pulver verwandelt. Damit lassen sich dann wunderbar Pflanzen düngen. So dass es künftig wohl heißen muss: "Die Radieschen von oben betrachten".

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