Nick Igels Kulturtagebuch >>Aktuell >>Archiv
   
 
Nick Igels Kulturtagebuch
Die überflüssigste Frau des Monats: Jürgen Klinsmann

Erste Juliwoche:
Endlich Neues von Frank Fussbroich. Der aufstrebende Jungkriminelle, der bis etwa Mitte Juli noch bei Big Brother zu besichtigen war, hat dort der andächtig lauschenden Zielgruppe einen aufregenden Körperpflegetipp gegeben: „Also mit de Ohr-Haare, ne, datt mach isch immer so: Da geht meine Freundin mit´m Feuerzeusch dran un macht dat an und geht mir damit kurz inz Ohr. Nur so ganz kurz, dann versengen die.“ Oder etwas länger, was eine von der forensischen kosmetischen Chirurgie als „Niki-Lauda-Effekt“ bezeichnete Wirkung entfalten kann. Wobei der Fussfrank optisch eigentlich selbst bei schwersten Verbrennungen nur noch gewinnen kann. Wahrscheinlich zahlt die Sendeleitung für Selbstverstümmelungen demnächst noch eine Prämie – nicht umsonst war bereits der Schönheitschirurg im Glotzen-Gefängnis und hat ein paar neue Titten für jede von den einsitzenden Blödinen ausgelobt.
Da passt es ins Bild, dass die nächste Staffel des TV-Konzentrationslagers in einem Freizeitpark gedreht werden soll, wo die Bewohner von den Besuchern rund um die Uhr durch einseitig verspiegelte Scheiben besichtigt werden können. So eine Art Streichelzoo mit Menschen, Füttern verboten. Wahrscheinlich auch mit speziellen Nightsessions – nur für Erwachsene – fast so gut wie Beate Uhses Pornokino. Aber selbst das ist nur eine Vorstufe zur übernächsten Staffel, die nach Heiis&Fettig vorliegenden Geheiminformationen aus der RTL II-Sendeleitung in einem Safari-Park gedreht werden soll. Die Bewohner müssen sich dann mit hungrigen Löwen und Geparden auseinandersetzen – und wenn das auch noch nichts hilft, bekommen die Zuschauer im Rahmen eines neuartigen Gewinnspiels (bitte anrufen!!!) Abschusslizenzen für einzelne Bewohner zugelost und können – interaktiv – auf die Jagd im Freilaufcontainer gehen. Obwohl die Vorstellung, den Schädel des Sachsenpaule mitsamt ausgestopftem dummem Grinsen für den Rest meiner Tage über meinem Kamin hängen zu haben, nicht unbedingt eine angenehme wäre.

Zweite Juliwoche:
Wer sich über die Regelungswut der EU echauffiert, hatte bisher stets die Normung der Traktorsitze als besonders absurdes Beispiel zur Hand. Weil dies auf die Dauer langweilig wird, hat die Brüsseler Kommission sich jetzt etwas Neues einfallen lassen. Alle Mitgliedstaaten müssen nach einer neue EU-Richtlinie „Seilbahn-Gesetze“ erlassen, auch dann, wenn es auf ihrem Territorium gar keine Seilbahnen gibt. Da das Seilbahnrecht in Deutschland Ländersache ist, muss jetzt beispielsweise das Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern daran gehen, ein Seilbahngesetz zu verabschieden, obwohl die höchste Erhebung des Landes gerade einmal 179 Meter misst und eine „Aufstiegshilfe“ weder vorhanden noch geplant ist.
Dafür fehlt an anderer Stelle eine Aufstiegshilfe um so dringender. Zumindest was das Niveau angeht. Die Rede ist natürlich von der neuesten Bodenlosigkeit des Privatfernsehens, der „Alm“. Das Konzept ist weitgehend bekannt. F-Promis, die für Geld nun wirklich alles tun, werden in einer möglichst feindlichen Umgebung zusammengepfercht und dort mit allerhand Zumutungen traktiert, um den Sadismus der Fangemeinde zu befriedigen. Subtext: Es ist ja nur Cordalis/Stahnke/Kübeldreck etc., da ist eine menschenunwürdige Behandlung doch nicht nur verdient, sondern geradezu angezeigt. Nun wird man dem kaum widersprechen können. Aber warum muss das Ganze öffentlich stattfinden, ein moderneres Strafrecht mit innovativen Vollzugselementen hätte doch völlig ausgereicht, um die gesellschaftlich offenbar angezeigte Abstrafung bestimmter Nervensägen ohne übermäßige Belastung der Volkswirtschaft zu ermöglichen.
Ganz oben auf der Liste der Kandidaten für den geschlossenen Vollzug stünde demnach Kader Loth. Deren Beruf ist nach Angaben des Senders „Pop-Ikone“. Also eine Art kopulierender Muttergottesdarstellung? Jedenfalls ist Kader uneingeschränkt recyclebar: Schon wenige Tage nach ihrem Auftritt im Glotzen-Gulag von Big Brother war sie bereits im „Prominenten“-Frauentausch zu bewundern, nur um wiederum ein paar Tage später auf der Alm wiedergekäut zu werden. In diesem geschlossenen Kreislauf deriviert sich die Prominenz allein schon aus einem einzigen Auftritt in einer artgleichen Sendung wie z.B. DSDS, GZSZ, LMAA etc., ein Auftritt in seriösen Formaten oder gar die Erbringungen nennenswerter körperlicher oder gar geistiger Leistungen ist nicht mehr erforderlich. Das gilt natürlich auch für Kader. Eigenen Angaben zufolge ganze 28 Jahre alt (wahrscheinlich gibt es wie die „gefühlte Temperatur“ auch ein gefühltes Alter, das speziell bei Frauen deutlich vom tatsächlichen Alter abweichen kann), ist sie diejenige, die sich am Flughafen wundert, warum der 75-jährige Rentner so unhöflich ist, ihr als Dame nicht den Koffer quer durch das Terminal zu tragen. Auf der Alm machte sie vor allem mit dem Spruch Furore: „Ich mag keine Menschen, die in ihrem Leben nichts geleistet haben und nur auf Kosten von anderen Leuten leben“. Subtiler ist Selbsthass nie formuliert worden.
Was war noch, auf der Alm? Djamila Rowe, prominent als vermeintliche Entsafterin des vormaligen Schweizer Botschafters, und als solche mit erstaunlichen Bildungslücken ausgestattet: „Was ist das, was da unten aus der Kuh herausläuft?“ Selbst Lorenzo, die schwuchtelige Knallcharge aus der letzten Superstar-Staffel wusste Bescheid: „Man nennt es Milch“. Wer wird es Gunther Gabriel (die älteren werden sich erinnern...?), kurzfristig eingesprungen für den wegen einer Analfissur ausgefallenen Kotze Cordalis, da noch übelnehmen, dass er Djamila als „Jammer-Ossi-Kuh“ bezeichnete. Zynisch und menschenverachtend allerdings, dass die Stripperin, die die Sendeleitung unter ich-weiss-nicht-mehr-welchem Vorwand zwischen die Gestörten gepfercht hatte, sich ausgerechnet auf Lorenzos Schoß lapdancenderweise austobte. Lorenzo gab anschließend auch brav zum besten, dass seine bisexuelle Phase nun beendet sei und er nun eine rein heterosexuelle Phase einlegen werde. Und der Papst wird zum Buddhismus übertreten... Zum Glück war inzwischen schon Almabtrieb für alle „Kandidaten“ – wenn auch in diesem Fall eine rechtzeitige Abtreibung dem Abtrieb vorzuziehen gewesen wäre.

Dritte Juliwoche:
Überhaupt wird die Homosexualität immer salonfähiger. Nach den Wahlerfolgen von Pobereit in Berlin und von Beust in Hamburg sowie den Kassenerfolgen der durchaus unkomischen Herbig-Filme mit schwuchteligen Indianern und Astronauten wurde plötzlich auch unser Guido Schwesterwelle ganz mutig und outete sich – völlig überraschend – als Tunte. Wahrscheinlich mit dem Hintergedanken, so das Projekt 18 oder zumindest das Projekt 69 erfolgreicher gestalten zu können und für die „Schwesterpartei“ obendrein noch ein paar Spenden (und seien es Samenspenden) an Land zu ziehen. Die grüne Aushängeschwuchtel Beck legte gleich noch einen drauf: Alle Politiker und sonstigen Personen des öffentlichen Lebens seien eigentlich verpflichtet, sich zu Heterosexualität oder Homosexualität zu bekennen, das sei eine „Personenstandsanzeige wie verheiratet oder katholisch“. Nun gut, nur um sicher zu gehen und um zu unterstreichen, dass ich keine Ambitionen auf politische Ämter habe: Ich bin weder verheiratet, noch katholisch, noch schwul. Allerdings erwarte ich nun, dass latent Schwule wie Klinsmann, Moshammer, D! Soost und Co. endlich ihre Personenstandsanzeigen aufgeben. Vielleicht wäre der Herr Beck ja auch dafür, wenn wir das alles schon so öffentlich machen müssen, dass gleich wieder der gute alte rosa Winkel eingeführt wird, der uns mit dem Ende des „tausendjährigen Reiches“ allzufrüh abhanden gekommen ist? Damit man gar nicht lange im heißen Brei herumstochern muss, um es mal in Schwulenlingo zu übersetzen. Nur um der Anekdote willen, müsste ich jetzt eigentlich noch von den beiden Münchnern, Phänotyp Schwabing-Schicki, berichten, die einmal im befreundeten Ausland am Nebentisch in fortgeschritten alkoholisiertem Zustand und im Irrglauben, nicht belauscht zu werden, über den Moshammer herzogen. Einer der beiden hatte einmal für den Mosi gearbeitet und meinte seinen ehemaligen Arbeitgeber so charakterisieren zu müssen: „Ein alter Mann mit Glatze und Mütze, bei dem die Rosette so ausgeleiert ist, dass die Scheiße unten in großen Pfützen rauspladert.“ Interessante Personenstandsanzeige.
Eine weitere spannende Form von Personenstandsanzeige haben die Freunde aus Tschechien im Programm. Dort wollte eine Supermarktkette ihre Kassiererinnen dazu verpflichten, während der Regelblutung ein rotes Stirnband zu tragen. Als roten Gürtel im Menstruieren, nehme ich an? Oder um die Kundschaft vor besonderer Reizbarkeit und Pampigkeit zu warnen? In diesem Fall würde ich ein knallrotes Band auch für die PMS-Tage empfehlen. Oder, wisst Ihr was, Tschechinnen, tragt das Ding am besten immer, sicher ist sicher.
Dazu passt wiederum eine Meldung aus dem Inland. Endemol plant eine neue Sendung für den deutschen Markt, Arbeitstitel „Deutschland sucht das Super-Sperma“. Nach dem amerikanischen Vorbild „Make me a Mum“, sollen männliche Kandidaten auf die Fruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit ihres Spermas getestet werden. Der potenteste Kandidat darf dann auch gleich eine Frau befruchten. Wahrscheinlich nur, wenn er vorher die Personenstandsanzeige „hetero“ abgegeben hat, und hoffentlich vor laufenden Kameras, da es sich ja nicht um Sex, sondern um Wissenschaft handelt. Auch die Zuschauer können wieder etwas gewinnen, eine Samenspende des Siegers (bitte anrufen!!!). Irgendwie erinnert das ein wenig an die Arier-Zucht des Herrn H. aus Braunau. Aber wer wird schon so kleinlich sein, wo doch nur „das brennende Problem des Bevölkerungsrückgangs anschaulich aufgearbeitet werden soll“ (Endemol).

Vierte Juliwoche:
In den USA werden inzwischen andere Probleme diskutiert. Frau Heinz-Kerry, verehelicht mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Kerry, hat der Zeitschrift Family Circle ein Rezept zur Herstellung von Kürbiskeksen zur Verfügung gestellt, das offenbar nicht für die Herstellung brauchbaren Backwerks geeignet ist. Dies ist um so schlimmer, als die Leser des Blatts abstimmen dürfen, ob das Rezept der Frau Heinz-Kerry oder das ebenfalls eingesandte Rezept der Frau Bush besser sei. Bereits seit 1992 gebe es den Wettbewerb des Kandidatengattinnen und bisher sei stets der Mann der Siegerin auch zum Präsidenten gewählt worden. Nun gut, angesichts der wieder einmal zu erwartenden Bush-Machenschaften hätte der Herr Kerry ohnehin keine Chance gehabt. Jetzt ist dieses Schicksal nur schon in der Frühphase des Wahlkampfes besiegelt. Da wird es auch nicht mehr helfen, dass Frau Heinz-Kerry sich inzwischen von dem Rezept distanziert hat, das „ihr ein Saboteur aus dem Wahlkampfteam untergejubelt habe“. Wahrscheinlich hätte sie einfach darauf verzichten sollen, Heinz-Ketchup als Zutat vorzuschlagen.

Und noch eine Nachricht aus den USA. Die amerikanische Armee, als Unterdrücker freier Völker und Sammelbecken von asozialen Versagern beliebt im alten wie neuen Europa, tut endlich etwas, um qualifizierteres Personal zu rekrutieren. So kommen Soldaten und Soldatinnen künftig in den Genuss kostenloser Schönheitsoperationen. Brustvergrößerungen, Liftings, Gesichtschirurgie und Fettabsaugen sind im Angebot. Allerdings, einen Haken hat die Sache. Eine Sprecherin der Armee erklärte gegenüber Heiss&Fettig, es gehe keineswegs darum, die bestaussehende Armee der Welt zu schaffen, sondern es sollten durch dieses Angebot vielmehr die Chirurgen der Streitkräfte Gelegenheit bekommen, auch in Friedenszeiten „trainieren“ zu können. Wenn man sich erinnert, dass der Bombenkrieg gegen Vietnam von dem Amerikanern bis heute verniedlichend als „Polizeioperation“ bezeichnet wird, stellt sich die Frage, ob eine „Schönheitsoperation“ der amerikanischen Armee tatsächlich zu empfehlen ist.

Bleibt wieder einmal die Frage nach der überflüssigen Frau des Monats. Selten war die Konkurrenz so groß wie im Juli. Natürlich war unsere Schwesterwelle ganz vorne mit dabei, ein „outing“, das nur bekräftigt, was alle außer Guido schon seit Jahrzehnten wussten, qualifiziert auf jeden Fall für die Spitzengruppe. Auch die „Memme der Nation“, Jan Ullrich, war bis zum Schluss noch in der Spitzengruppe – ganz anders übrigens als bei der Tour de France. Siegerin konnte nach den Entwicklungen der letzten Juliwoche dann aber doch nur einer sein: Jürgen Klinsmann. Was um alles in der Welt hat eigentlich den Mayer-Vortrinker bei dieser Personalentscheidung geritten? Was soll Klinsmann denn unseren Nationalspielern beibringen? Schwalben im Strafraum? Relativsätze mit „der wo“ einzuleiten? Lamentieren beim Schiedsrichter, wenn der zum zehnten Mal in einem Spiel zu Recht keinen Elfmeter gegeben hat? Jammern, reklamieren, protestieren? Ziellos in der gegnerischen Hälfte umher zu janckern? Phantompässe dann ganz knapp doch nicht zu erlaufen? Nun, immerhin hat unser Jürgen einen wichtigen Tipp bekommen. Von Bertie Vogts persönlich. Man müsse, so Vogts, aus der EM-Mannschaft höchstens drei Spieler austauschen, ansonsten sei das „prima Material“. Alles klar, Jürgen? Ruf mal Bertie an und erkundige Dich, welche drei Du behalten sollst. Und dann wirfst Du den ganzen Haufen raus. Und behältst nur diese drei!

ni