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Nick Igel in America - Part One The Igel has landed
Dass Amerika Scheiße ist, weiß der geneigte Leser. Liegt ja auch auf der Hand. Ein Land muss einfach Scheiße sein, wenn unter seinen wichtigsten Exportartikeln die Angriffskriege noch die harmlosesten sind - als Bourgeois gehobener Lebensart empfinde ich nämlich Fastfood und pseudophilosophische Filme des kleinwüchsigen rothaarigen New Yorker Pädophilen als wesentlich belastender als ein paar tausend tote religiöse Fanatiker bei der Wehrsportübung im Irak. Wobei ich, wenn ich religiöse Fanatiker sage, dies ausdrücklich nicht auf eine der beiden Kriegsparteien beschränkt wissen will.
 Statue of Libert-i-gel
Diese Kolumne ist sich aber nicht zu schade, man kann es nicht oft genug wiederholen, im Interesse ihres Aufklärungsauftrages und zur vollständigeren Information der Kundschaft auch dorthin zu gehen, wo es richtig wehtut. Bzw. wo es Scheiße ist. Wie zum Beispiel in besagten Vereinigten Staaten von Amerika. Lesen Sie hier in einem mehrteiligen Exklusivabdruck das USA-Tagebuch von Sonderkorrespondent Nick Igel!
Schon vor Eintreffen in den USA finde ich zwei meiner Lieblingsvorurteile über den Amerikaner bestätigt. Er hat ein kindlich-naives Gemüt und ist ausgesprochen unprofessionell. Wie sonst wäre es zu erklären, dass jeder Nichtamerikaner vor der Einreise zunächst ein Formular ausfüllen muss, auf dem unter anderem danach gefragt wird, ob man die Absicht habe, einen Terroranschlag gegen Einrichtungen der Vereinigten Staaten auszuüben. Und dann muss man ankreuzen: "ja" oder "nein".
Naiv ist daran, dass der Amerikaner offensichtlich tatsächlich erwartet, dass die Kundschaft vom Stamme Bin Laden direkt ein Kreuzchen bei "ja" macht. Die trainieren zwar monatelang, wie man Flugzeuge in Hochhäusern parkt und haben ihre bisherigen Attentate minutiös durchgeplant, aber wenn natürlich vorher einer gefragt hätte, hätten die Jungs sicher sofort zugegeben, "ja gut sicher, so ein paar ganz kleine Anschläge, so an die vier, fünf Kilotote, das hatten wir uns als krönenden Abschluss unseres Besuchs im Land der ungläubigen Horden dann doch vorgenommen..."
Diese Naivität der amerikanischen Behörden mag ja noch entschuldbar sein, schlimmer noch ist die bewiesene Unprofessionalität. Wie jeder weiß, der schon einmal mit professionellen Umfragen in Berührung gekommen ist, werden die Ergebnisse verfälscht, wenn man den Befragten neben der klaren ja/nein-Alternative nicht auch noch eine Option wie "vielleicht", "noch unentschieden" oder "weiß nicht" einräumt.
"Na gut", dachte ich, "da kann er noch etwas lernen, der Amerikaner!" Und habe prompt mal neben die beiden Kästchen ein "noch unschlüssig" notiert. Was dann dazu führte, dass ich sehr schnell ein drittes Vorurteil über den Amerikaner als solchen bestätigt erhielt: Er ist humorlos!
 The Igel has landed - und zwar im Knast Nick Igel auf Alcatraz
Später erläuterte mir mein Rechtsbeistand dann, dass eine ernsthafte Beantwortung der Fragen auf dem Kärtchen, wo neben meinen Ambitionen als Hobbyterrorist auch nach etwaigen Vorstrafen wegen Prostitution oder Drogenbesitzes gefragt war, gar nicht erwartet werde. Vielmehr baue man sogar darauf, dass potenzielle Kriminelle falsche Angaben machten. Weil man sie dann anschließend noch härter bestrafen könne. Ich stelle mir das gerade vor, wie der Richter dann das Urteil verkündet: "Nick Igel, ich verurteile Sie zu achthundert Jahren Gefängnis wegen eines Terroranschlages auf die Konzernzentrale von McDonalds sowie zu einer Geldstrafe von 25 Dollar wegen vorsätzlicher uneidlicher Falschaussage im Einreiseverfahren!"
Erste Lektion daher: Bei der Einreise brav angeben, ob man schon einmal eine Entziehungskur wegen Alkoholismus mitgemacht hat, ob man schon einmal wegen Wahlfälschungen verfolgt worden ist und ob man sich um den Wehrdienst gedrückt hat, nicht wahr, George Dabbeljuh? Außerdem sollten zur Sicherheit und zur Vermeidung von Geldstrafen auch Hobbys wie Fingernägelkauen, Rülpsen, Furzen und Bierdeckelsammeln unaufgefordert genannt werden, man weiß ja nie, was in den einzelnen Bundesstaaten alles verboten ist. In Missouri steht beispielsweise bis heute Geldstrafe auf Oralverkehr. Dazu aber mehr im nächsten Kapitel.
Noch etwas, was ich gleich am ersten Tag lernte, der Amerikaner hat das Bedürfnis sich stets und jedem vorzustellen. Kommt man in ein Lokal, hört man als erstes von der Kellnerin: "Hi, my name is Nancy and I am your personal waitress. How are you tonight?". Sehr schön! Auch im Nationalpark geht es ähnlich zu: "Hi, my name is Farty and I am your personal ranger. How are you today." Ich frage mich nur, ob das wirklich überall so zugeht. "Hi, my name is Slutty and I am your personal hooker. How are you tonight?" Oder gar bei der Hinrichtung auf den guten alten heißen Stühlen in Texas: "Hi my name is Hank and I am your personal executioner. How are you today?".
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