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Nick Igel in America - Part Two National Breastfeeding Week
Wieder so ein Vorurteil: Prüde soll er sein, der Amerikaner. Und wieder stimmt es. Weitgehend. Zum Beispiel in der Union Station in Washington. Wo sich jahrzehntelang niemand daran gestört hat, dass die pseudorömischen Soldatenstatuen an den Tragsäulen in bester Tradition der Antike ihre Geschlechtsteile in die Bahnhofsluft ragen ließen. Bis dann die Bürgerinitiative für einen anständigeren Bahnhof auf den Plan trat und durchsetzte, dass die Penisse sorgsam hinter nachträglich vor die Statuen gestellten Schilden verborgen wurden. Und zur Sicherheit wurde dieser Erfolg dann auch noch auf mehreren Gedenktafeln für die Nachwelt dokumentiert. Wenn schon prüde, dann aber mit Volldampf voraus und auch noch damit angeben.

In diese reichlich verklemmte Richtung geht auch die mangelnde Toleranz für die Hobbys des Michael Jackson und seiner Gesinnungsgenossen. So bestehen die ausführlichsten Abendnachrichten - immerhin eine Sendung von nahezu fünf Minuten Dauer - im wesentlichen aus drei thematischen Blöcken: Baseball, Football und Sexskandale von Prominenten. Also praktisch nur Sportnachrichten. Nun wollen wir das seltsame Bedürfnis, sein Geschlechtsteil in den regelmäßig nicht einmal ausreichend geräumigen Körperöffnungen von Minderjährigen zu deponieren, hier natürlich keineswegs verharmlosen. Aber ist die von den amerikanischen Medien über den ganzen August hinweg heiß diskutierte Frage, ob der halbprominente Nachrichtensprecher X nun tatsächlich seine Hand zur Brust der Kellnerin Y geführt hat, oder ob die Kellnerin Y vielleicht nur eine ungeschickte Bewegung gemacht und dabei die Hand mit ihrer Brust gerammt hat, wirklich etwas qualitativ anderes als die schon ach so oft diskutierte und irgendwie nicht so wahnsinnig relevante Frage, ob beim Fußball die Hand des Spielers zum Ball oder der Ball zur Hand des Spielers gegangen ist? Und wie kann man sich über Wochen so in das Thema hineinsteigern? Zumal dieselbe Nation gleichzeitig eine Handvoll Kriege zu führen beliebt und sich ja auch mal mit der Problematik beschäftigen könnte, was man am besten mit der Weltherrschaft anfängt, wo man sie nun schon einmal am Hacken hat.
Statt dessen erleben wir die Fortsetzung von "Nippelgate". CBS soll nun für die halbe Sekunde entblößte Jacksontitte in der Superbowlübertragung 500.000 Dollar Strafe zahlen, wegen öffentlicher Unmoral.
Zum Glück geht es nicht überall so prüde zu. Und wenn er dann mal die sexuelle Offensive geht, der Amerikaner, dann sollte man machen, dass man rechtzeitig auf die Bäume kommt. In Nevada zum Beispiel sind Bordelle nicht nur legal, sie werden auch ausgeschildert wie Sehenswürdigkeiten und gehören zum Straßenbild wie Bäckereien einst bei uns, bevor Kamps erfunden wurde. Alles ganz legal, ganz normal, und nächstens wird der monatliche Puffbesuch wahrscheinlich Pflicht - oder zumindest Teil des Heimatkundeunterrichts in der Sekundarstufe 2. Und die Puffs präsentieren ihre Angestellten (darf man überhaupt von Ange"stellten" sprechen, wenn diese ihre Tätigkeit fast ausschließlich liegend ausüben?) auch ganz stolz im Fernsehen. In Ausübung des Berufs, in Berufskleidung und mit Vollzoom auf das, was bei den römischen Kriegern vom Washingtoner Bahnhof noch hinter den Schilden versteckt werden musste. Und dann wird unter dem Deckmantel der sachlichen Reportage gezeigt wie der Vater seinen Sohn zum ersten Mal in den Puff mitbringt, wie eine Frau es zum ersten Mal lesbisch treibt, wie eine andere Frau mit ihrem Mann gemeinsam ins Bordell kommt, weil sie diesem einen Dreier mit Nutte zu Weihnachten geschenkt hatte. Und plötzlich ist man geistig kaum noch in den USA sondern wieder im deutschen Langweilerfernsehen von RTL II, Vox und Co. und ist es fast wie bei Wahre Liebe, nur dass die Kamera nicht immer wegschwenkt, wenn Geschlechtsverkehr ins Bild zu geraten droht. Die gleichen seichten Geschichtchen, die gleichen Versuche dem Spanner und potenziellen Puffgänger daheim zu vermitteln, dass die käufliche Liebe eigentlich längst Kultcharakter hat und zu jeder gesunden Sexualität dazu gehört. Aber es kam noch besser, der Zuschauer durfte per Glotze auch an einem der in Amerika so beliebten Mitarbeiter-Meetings teilhaben. Die es offenbar sogar in den Bordellen gibt. Höhepunkt der Besprechung: Air-Force-Amy, die früher wirklich einmal für die Air Force gearbeitet hat und die wir schon als Hauptdarstellerin der eben erwähnten Episoden kannten, wurde zum "Hooker of the Year" ernannt! Und hat sich riesig gefreut! Nachdem es sie zuvor wahrscheinlich nur bis zur "Nutte des Monats" gebracht hatte. Zumal der Ehrentitel (oder schreibt man Tittel in diesem Fall mit Doppel-Teh) mit einer Gratifikation von 5.000 Dollar verbunden war. Außerdem qualifiziert sie sich nun sicherlich für eine neue "Position" und wird sie künftig eine noch herausgehobenere "Stellung" in ihrem Unternehmen einnehmen. Zur vertieften Lektüre empfehle ich übrigens www.airforceamy.com
Wendet man allerdings die im Falle Jackson entwickelte Gebührenordnung für öffentliche Unmoral auf die Sendung mit Air Force-Amy an, dann wird es für HBO richtig teuer. Ich rechne mal: Pro Titte pro halbe Sekunde 500.000 Dollar. Macht 2 Mio. Dollar pro Brüstepaar pro Sekunde. Da Air-Force-Amy mindestens 20 Minuten lang nackt zu sehen war, kommen da schon einmal runde 600 Millionen Dollar zusammen. Vielleicht sogar noch mehr, da Amys Brüste dank großzügigen Silikoneinsatzes sicher deutlich größer waren als die der Kollegin Jackson. Das dürfte einen Zuschlag kosten. Dafür waren sie auch etwas formschöner, vielleicht gibt das einen Abschlag, so dass wir am Ende wieder bei den 600 Mio. Dollar landen. Was die mindestens 10 Minuten Vagina und die mindestens 5 Minuten Brüste und Vagina und Geschlechtsverkehr dann wohl noch zusätzlich kosten? HBO wird wahrscheinlich Konkurs anmelden müssen.
Wie soll ein Land das aushalten: Im einen Staat wird Nacktheit noch nicht einmal als Ausdrucksmittel der Kunst geduldet, im anderen Staat gibt es angezogene Darsteller fast nur noch im Pay TV. Im Fragenkatalog bei der Einreise wird eine Vergangenheit als Prostituierte noch einer Drogenhändlerkarriere und terroristischen Neigungen gleichgestellt, während in Nevada der Job als Nutte bereits als Vorbild für potenzielle Ich-AGs propagiert wird. Vielleicht gibt man dort die intolerante Haltung gegenüber Terroristen ja auch bald auf?
Eine vermittelnde Lösung bietet Arizona an. Nacktheit ja, aber nur zur Nachwuchsaufzucht. Soll heißen, die Nutz-Titte darf gezeigt werden, nicht aber die Lust-Titte oder wie soll ich diesen Hinweis verstehen:

Was es mit der Tradition aber auf sich hat, bedürfte dann doch noch vertiefter Erläuterung. Ebenso wie die Frage, wer da eigentlich alles gestillt wird. Wird der Arizonaer etwa bis ins hohe Alter mit Muttermilch ernährt? Verweigert er andere Nahrung? Was ich angesichts der schlechten amerikanischen Küche ja durchaus verstehen könnte. Oder ist es seine einzige Chance, außerhalb Nevadas mal eine weibliche Brust zu sehen zu bekommen?

Zweite Lektion: Wer in den USA Sex will, muss nach Nevada, in die Illegalität oder Spaß an Muttermilch-Spielen haben.
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