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Nick Igel in America - Part Five
America West

Der Westen der USA galt über viele Jahrzehnte als das Land der Abenteuer. Er musste "erobert" werden. Nicht im Kampf gegen die Vormieter, das waren ja nur die Indianer, die konnte man ebenso unproblematisch abknallen wie die Büffel. Es galt vielmehr, alle möglichen Gefahren zu überleben, die die lange und weite Reise als solche mit sich brachte. Moderne Transportmittel standen nicht zur Verfügung und einen ADAC gab es ebenfalls nicht. So drohte jederzeit der Tod durch Achsbruch, Verhungern, Verdursten und die wenigsten kamen am Ziel ihrer Reise an. Um an diese Gründertage der Vereinigten Staaten zu erinnern und auch heute noch echte Abenteuer mit Gefahr für Leib und Leben bieten zu können, haben die Amerikaner die Airline "America West" gegründet.


Monument Valley - von America West direkt angeflogen

Ich bewundere die Frechheit und zugleich den Mut mit dem diese Airline ihre Kunden verarscht. Und das sogar in einem Land, wo Schusswaffen noch vor Erreichen der Volljährigkeit nahezu kostenlos an die Bevölkerung verteilt werden. Für ihre Bemühungen um die Förderung der Realsatire im Bereich des Personflugverkehrs verleihe ich America West hiermit den offiziellen Titel der weltweit ersten "Satire-Airline".

Zudem möchte ich auch andere Airlines auffordern, das Reisen wieder spannender zu machen und dem leuchtenden Beispiel von America West zu folgen. Allen Fluggesellschaften, die sich ebenfalls als Satire-Airlines qualifizieren wollen, möchte ich den folgenden Empfehlungskatalog ans Herz legen. Ich habe ihn auf der Basis der Erlebnisse erstellt, die mir beim Versuch widerfuhren, mit America West von A wie Arizona nach B wie Buffalo zu fliegen.

  1. Nenne nie die tatsächliche Abflugzeit. Nenne stets eine Abflugzeit, von der Du weißt, dass Du sie nicht einhalten wirst.
  2. Treibe die von Anschlussflügen ankommenden, auf Deine Maschine gebuchten Passagiere trotzdem noch dazu an, "pünktlich" am Flugsteig zu erscheinen.
  3. Tu dies nach Möglichkeit mit kaum verständlichen, in sich widersprüchlichen Lautsprecherdurchsagen.
  4. Beharre auch dann noch darauf, dass die Maschine pünktlich abfliegen wird, wenn die von Dir angegebene Abflugszeit bereits verstrichen ist.
  5. Verzögere den Abflug der Maschine um mehrere Stunden. Gebe die Verzögerung aber nur schrittweise bekannt und beharre darauf, dass alle Passagiere am Gate bleiben, da es ja "jede Minute losgehen kann"
  6. Gebe einen falschen Grund für die Verzögerung an, zum Beispiel, dass der Zielflughafen wegen schlechten Wetters geschlossen sei.
  7. Stelle sicher, dass der Schwindel auffliegt, zum Beispiel, indem Du Internet-Terminals an Deinen Flugsteigen aufstellst, an denen sich die Passagiere über die Wettersituation am Zielflughafen informieren können.
  8. Wenn der Schwindel aufgeflogen ist: Lüge weiter und erfinde neue falsche Gründe, zum Beispiel, dass zwar am Zielflughafen kein schlechtes Wetter herrsche, wohl aber auf der Strecke dorthin, und dass eine Verbindung zwischen diesen beiden Flughäfen daher nicht möglich sei.
  9. Stelle sicher, dass auch dieser Schwindel auffliegt. Zum Beispiel durch eine Ansage einer anderen Fluggesellschaft, dass deren Flieger zum selben Zielflughafen nun startbereit sei und in wenigen Minuten abfliegen werde.
  10. Lüge weiter. Bringe Deine gesamte Kreativität ein und die Passagiere zur Weißglut. Erkläre, dass die andere Fluggesellschaft eine andere Route benutze, die Du nicht benutzen dürfest.
  11. Dies ist der geeignete Zeitpunkt eine weitere Verzögerung des Fluges um rund 90 Minuten bekannt zu geben.
  12. Verteile keinesfalls Essensgutscheine an die wartenden Passagiere. Stelle sicher, dass kein Geschäft oder Restaurant auf dem Flughafen gutes Essen verkauft und stelle sicher, dass ein kleines Sandwich mindestens 8 Dollar kostet.
  13. Erkläre den Passagieren, dass Du schon deswegen nicht zur Ausgabe von Essensgutscheinen verpflichtet seist, weil die Verspätung ja durch das schlechte Wetter am (geschlossenen) Zielflughafen und nicht durch einen Fehler Deiner Fluggesellschaft verursacht sei. Weise Hinweise, dass die andere Airline ja auch habe fliegen können und es daher durchaus ein airlinespezifisches Problem sei, als unsachlich zurück.
  14. Nun ist der passende Zeitpunkt erreicht, um damit zu beginnen, sich beschwerende Passagiere zu beleidigen.
  15. Eine geeignete Beleidigung ist beispielsweise: "Ich verstehe nicht, warum Sie sich hier aufführen müssen, wie die Affen im Zoo."
  16. Jetzt ist der beste Zeitpunkt erreicht, sich beschwerende Passagiere an den Customer Relation-Service zu verweisen und in Aussicht zu stellen, dass dort eine Umbuchung auf andere Flüge ermöglicht werden könne.
  17. Stelle sicher, dass beim Customer Relation-Service nur ein Mitarbeiter für Beschwerden und Umbuchungen bereit steht.
  18. Stelle sicher, dass vier weitere Mitarbeiter gut sichtbar hinter geschlossenen Schaltern sitzen und essen, lesen oder sich träge miteinander unterhalten. Diese Mitarbeiter sollten sich auch dann nicht für die Kundenberatung zur Verfügung stellen, wenn sich eine Schlange von mehreren Dutzend Kunden vor dem einen geöffneten Schalter bildet.
  19. Der Mitarbeiter des Customer Relation Service sollte den Passagieren sodann die Auskunft erteilen, das der Hinweis auf Umbuchungsmöglichkeiten falsch und die am Gate erteilte Auskunft unrichtig gewesen sei.
  20. Dies ist der geeignete Zeitpunkt, die Passagiere vom Customer Relation Schalter mit dem Hinweis wieder zurück zum Gate, dass man dort soeben mit dem Boarding begonnen habe.
  21. Was sich am Gate natürlich als eine weitere Lüge herausstellen wird.
  22. Dies ist der geeignete Zeitpunkt, den Passagieren eine Telefonnummer für Umbuchungen und Beschwerden zu nennen.
  23. Stelle sicher, dass sich unter dieser Telefonnummer mindestens 15 Minuten lang niemand meldet.
  24. Stelle sicher dass der sich dann meldende Mitarbeiter unzuständig ist und weiter verbindet.
  25. Stelle sicher, dass das Weiterverbinden mindestens 10 weitere Minuten dauert, die meisten Fluggäste werden bis dahin all ihr Kleingeld in das Telefon geworfen und aufgegeben haben.
  26. Falls doch noch einer am Apparat sein sollte: erkläre, dass Umbuchungen nicht möglich seien.
  27. Beginne nun das Boarding. Fange mit Behinderten und Gebrechlichen an.
  28. Stoppe das Boarding nachdem die Behinderten und Gebrechlichen an Bord sind und erfinde ein neues Problem, das den Abflug verzögert.

  29. Nick Igel - Flugziel Grand Canyon

  30. Lasse die Behinderten und Gebrechlichen jedoch an Bord und behaupte, der Abflug werde bald erfolgen.
  31. Stelle sicher, dass die Klimaanlage an Bord ausgeschaltet bleibt und die Außentemperatur mindestens 35 Grad Celsius beträgt.
  32. Warte 45 Minuten.
  33. Nun ist der geeignete Zeitpunkt erreicht, den Flug endgültig abzusagen. Der dafür angegebene Grund darf auf keinen Fall triftig sein.
  34. Die Behinderten und Gebrechlichen sollten vorerst in der Maschine bleiben.
  35. Passagiere, die danach fragen, wie sie denn nun zum Zielort kommen, sollten stets vom Gate an den Customer Relation-Schalter und vom Customer Relation-Schalter wieder zurück ans Gate verwiesen werden. Für lange Wartezeiten an beiden Schaltern ist Sorge zu tragen. Auch sollten weiterhin am Customer Relation-Schalter einige Zeitung lesende Mitarbeiter zu sehen sein, die es ostentativ ablehnen, den einen Kollegen am einzigen offenen Schalter zu unterstützen.
  36. Die Behinderten und Gebrechlichen bleiben weiter in der Maschine
  37. Auf gar keinen Fall darf eine Antwort auf die Frage nach dem Verbleib des Gepäcks gegeben werden.
  38. Sollte ein Passagier eine solche Antwort mit Androhung körperlicher Gewalt erzwingen, so ist die Auskunft "normalerweise liegt das Gepäck bei Flugstornierungen immer auf Band 1" zu geben.
  39. Selbstverständlich darf kein Gepäck auf Band 1 liegen.
  40. Das Gepäck bleibt vielmehr weiter in der Maschine.
  41. Zusammen mit den Behinderten und Gebrechlichen.
  42. Leugne weiterhin, dass Du weißt, wo das Gepäck geblieben sein könnte.
  43. Lehne es auch ab, Dich telefonisch nach dem Verbleib des Gepäcks zu erkundigen. Verlange vielmehr von den Passagieren, dass sie ihre Gepäckstücke beschreiben und weise Vorschläge als unsachlich zurück, die einzelnen Gepäckstücke ganz einfach anhand des Strichcodes auf den Baggage-Tags zu identifizieren.
  44. Nach 90 Minuten in der Boeing-Sauna ist nun der geeignete Zeitpunkt gekommen, die Behinderten und Gebrechlichen aus der Maschine zu holen. Lehne es ab, Getränke an die dehydrierten Passagiere zu verteilen.
  45. Verweise alle Passagiere auf einen anderen Flug zum Zielort, der am nächsten oder - besser noch - am übernächsten Tag abfliegen soll.
  46. Plane bereits eine Verspätung auch dieses Fluges.
  47. Teile keinesfalls Hotelgutscheine an die Passagiere aus. Weigere Dich auch, Umbuchungen auf die Flüge anderer Airlines zu bezahlen.
  48. Fliege Passagiere, die sich nicht auf einen Flug an einem anderen Tag verweisen lassen, zu einem anderen Ort als dem Zielort. Dabei sollte die Mindestentfernung zwischen diesem Ort und dem ursprünglichen Zielort 100 Meilen betragen.
  49. Trage dafür Sorge, dass auch der Flug zum neuen Zielort Verspätung hat. Erfinde einen Grund!
  50. Weigere Dich, für den Transport vom neuen Zielort zum ursprünglichen Zielort Sorge zu tragen. Lehne es auch ab, die Kosten für Mietwagen zu übernehmen.
  51. Wenn es Dir auf diese Weise gelungen ist, die Ankunft der Passagiere am ursprünglichen Zielort um mindestens 9 Stunden zu verzögern, den irreparablen Defekt Deiner Maschine durch eine Vielzahl von Lügen zu verschleiern, die Passagiere in hohe Kosten für Essen, Getränke, Mietwagen zu stürzen, ein paar Alte durch Hitzschlag zu liquidieren und die Hälfte der weiblichen Passagiere in Weinkrämpfe zu versetzen - herzlichen Glückwunsch, Du hast es geschafft und darfst Dich fürderhin "Satire-Airline (nach America West Airlines-Standard)" nennen.


Tatsächliche Landung: An den Niagara-Fällen



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