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Was für ein Monat!
Mosi, Daisy und Nageldoof am Königshof

Was für ein Monat - nichts als Fragen: Warum dürfen Politiker sich etwas dazu verdienen und Schiedsrichter nicht? Hatte Moshammer trotz seines Namens kein Moos und setzt er deswegen jetzt ebensolches an? Wann zieht Prinz Harry in den sächsischen Landtag ein? Und haben britische Soldaten im Irak auch gefoltert? Oder den Gefangenen nur englische Küche serviert? Und wo ist der Unterschied?


Erste Januarwoche:
Neues aus den Überschwemmungsgebieten. Erst jetzt stellt sich heraus, dass Altbundeskanzler Kohl sich während der Flutwelle auf Sri Lanka aufgehalten hat. Er streitet allerdings ab, Auslöser der Katastrophe gewesen zu sein - etwa durch einen beherzten Kopfsprung in den indischen Ozean. Vielmehr nehme er Anteil am Leid der Hinterbliebenen der Opfer und werde er alles tun, um vor Ort zu helfen. Aha! Was genau? Mir ist zwar bekannt, dass in Asien auch Arbeitselefanten zum Einsatz kommen, aber die Talente unseres Altkanzlers scheinen mir doch eher im Spendensammeln zu liegen. Machs noch einmal, Helmut und komm zurück nach Deutschland, Bimbes einkassieren!
Am gleichen Tag flattert mir eine Werbepostkarte ins Haus. Absender ist die Firma tsunami-sushi-bars.de . Na hoffen wir, dass deren Essen nicht genauso geschmacklos ist wie ihr Name. Obwohl: afp meldet, dass auch ein indisches Paar seinen während der Flut geborenen Sohn "Tsunami" getauft habe. Vielleicht eine ganz neue Mode, ich freue mich schon auf Earthquake Smith aus San Francisco, Nine-eleven Miller aus New York und Rocco "Hoochwosser" Mayer aus Dresden.
Derweil läuft in der Bundesregierung die Betroffenheitskirmes längst auf vollen Touren, aus Fluten hat man schließlich noch immer erfolgreich Kapital geschlagen. Der Fischer-Jockel planiert sich mit seiner Wampe durch die betroffenen Länder und darf sich in Sri Lanka daran erfreuen, dass man ihm zu Ehren die DDR-Fahne gehisst hat. Die rote Heidi, als Entwicklungsministerin und Trägerin einer DauerWELLE ja auch irgendwie zuständig, reist erst viel später und natürlich getrennt an, auch wenn dann schon zum zweiten Mal ein Flieger der Bundeswehr für den Politikertransport eingesetzt werden muss, der in derselben Zeit weitaus nützlichere Güter in die Katastrophengebiete hätte bringen können. Sie ist allerdings entschuldigt - sie konnte nicht früher fliegen, da ihr Nebenjob als Putzfrau in der Redaktion von fettig.de (auf 400-Euro-Basis) dies nicht erlaubte, bei uns musste mal gründlich feucht durchgewischt werden. Und wo bleiben eigentlich Thierse, Ströbele, Münti, Strucki und die anderen berufsmäßigen Gutmenschendarsteller?



Zweite Januarwoche:
Der Skandal der Woche kommt aus England: Prinz Harry geht im Hemd eines Wehrmachtsgefreiten zum Kostümfest. Das geht natürlich nicht! Dennoch gehen die meisten Kommentare an der Sache vorbei. Vor allem die Sun liegt schwer daneben, die sofort "Harry Nazi" titelt. Wissen wir doch aus den Beteuerungen vieler alter Soldaten aus dem dritten Reich, dass die Wehrmacht keineswegs aus Nazis bestand. Vielmehr waren gar nicht alle in der Partei, nur fast alle, und überhaupt, man war ja fast gezwungen, Parteimitglied zu werden, das war doch damals so. Sagte jedenfalls mein Großvater immer, der praktisch zwangsweise in der Partei gelandet war. Und Auschwitz und die Judenvernichtung, davon hat man ja auch nicht mehr gewusst als die Gallier von Alesia - das hat man ja alles nicht gesehen, sagt mein Opa, der immerhin direkt neben dem Lager stationiert war (allerdings gerochen, meint er, aber vielleicht hatte er nur eine besonders feine Nase?). Die Unschuld unserer Soldaten beweist auch die Wehrmachtsausstellung, oder? Zumal unsere tapferen "Männer" doch beide Weltkriege gewonnen hätten, wenn ihnen nicht die Führung in den Rücken… etc. pp.
Also Sun, künftig lieber erst informieren - zum Beispiel bei der NPD im sächsischen Landtag, deren Abgeordnete sind geistig sowieso genau auf dem Niveau der Sun, da könnt Ihr auf "gleicher Augenhöhe" diskutieren - anstatt voreilig so dummes Zeug zu schreiben!
Nein, der eigentliche Skandal liegt viel tiefer, und das hat nur Prince Charles richtig erkannt, der Harry mächtig tadelte und ihm gleich ins königliche Stammbuch schrieb: "Das war absolut unter dem Niveau eines Royals!" Richtig, denn als Mitglied einer königlichen Familie wäre Harry niemals Gefreiter in der Wehrmacht geworden, sondern mindestens Unteroffizier. Vielleicht sogar Gauleiter bei der SS. Also wenn schon verkleiden, dann bitte in einer seinem Stand angemessenen Uniform. Das hat ihm sein Vater für künftige Fälle nun hoffentlich klargemacht.

Neues auch aus Abu Ghraib! Der Anwalt des wegen der Folter irakischer Gefangener angeklagten Charles Graner hat einiges klargestellt. So sei "nichts dabei" Gefangene auszuziehen und sie menschliche Pyramiden bilden zu lassen oder sie wie Hunde an der Leine zu halten. Es bildeten schließlich auch die Cheerleader bei Sportveranstaltungen überall in den USA ständig Pyramiden. Dies sei keine Folter, sondern ein Mittel "die Gefangenen technisch unter Kontrolle zu bekommen." Zudem seien auch in Einkaufszentren und auf Flughäfen in den USA häufig Kinder zu sehen, die von ihren Eltern an der Leine geführt würden.
Aha! Na gut, ich ziehe gleich mal die Konsequenz und bringe an der Redaktionstür ein Schild an, dass Hunde und Amerikaner in unseren Räumlichkeiten an der Leine zu führen sind. Vielleicht sollten Amerikaner ihr Land sowieso nur noch an der Leine verlassen.


Dritte Januarwoche:
Nach Flut und Prinz Harry schon die dritte Katastrophe in einem Monat: Mosi ist von uns gegangen. Bzw. von uns gegangen worden. BILD stellt sofort die richtige Frage und mutmaßt: "Kann Daisy den Mörder überführen?" Wenige Tage danach richtet im selben Blatt der notorische Betroffenheitspoet Franz Josef Wagner eine seiner Schmonzetten direkt an Daisy und fabuliert: Daisy Moshammer, das Leben ist keine Schmuse-Kaschmir-Decke. Dein Herrchen liebte Dich auch, aber er liebte auch rostige Lippen und harte Männerkörper (…). An dieser Stelle geht es mir zu weit, dass ich mit einem Hund über Menschen rede." Warum? Da Daisy nach Ansicht des führenden deutschen Dreckschleuderblattes reden, lesen und sogar Mörder überführen kann, sollte man das Gespräch ruhig vertiefen. Was ich natürlich in einem Exklusivinterview mit Daisy Moshammer getan habe:

Nick Igel:
Fräulein Moshammer - oder darf ich Daisy sagen…?

Daisy Moshammer:
Natürlich!

Nick Igel:
Daisy, wie erklären Sie sich dieses schändliche Verbrechen?

Daisy Moshammer:
Ach, ich hatte ihn doch gewarnt! Spätestens nach dem peinlichen Auftritt beim Grand Prix, wo er schlimmer gejault hat, als mein Vetter Waldi - Sie wissen schon, das ist der, der nachts immer den Mond anheult - war klar, dass ihn irgendwann einer umlegt. Und, sind wir doch mal ehrlich: Der Mann war so penetrant oft im Fernsehen, dass es mich wirklich nicht wundert, dass ihn jetzt einer "verkabelt" hat.

Nick Igel:
Ich verstehe! Das klingt nun aber doch so, als sei Ihr Verhältnis gar nicht so idyllisch gewesen, wie Herr Moshammer das nach außen immer darstellte?

Daisy Moshammer:
Ach, wenn Sie wüssten! Was meinen Sie, warum ich bei diesen peinlichen Auftritten immer so ruhig auf seinem Arm saß? Ich konnte mich ja nicht rühren, der hatte den Daumen bis zum Anschlag in meinem Rektum, ich schäme mich ja so. Na ja, und zuletzt, bei seinem Tod, da war er eher kurz angebunden. Er hat sich halt von Herisch im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf verdrehen lassen. Ach, er konnte ja schon sehr halsstarrig sein. Ich will ihm daraus ja im Nachhinein keinen Strick drehen, auch wenn ich oft gedroht habe, zurück zu meiner Mutter zu ziehen. Ehrlich gesagt, ich habe mir da mit dem Mosi ganz schön etwas aufgehalst.

Nick Igel:
Haben Sie denn etwas unternommen, um ihn zu retten?

Daisy Moshammer:
Ja, schon! Ich sage noch zu Herisch: "Mensch, Herisch, reiß Dich am Riemen, hör auf jetzt und zieh Leine. Das hat der dann wohl zu wörtlich genommen. Vielleicht wollte er auch einfach nur Abu Ghraib spielen oder hat er den Mosi für einen Amerikaner gehalten. Die sind ja an der Leine zu führen. Ich habe mich schon gefreut, dass der Mosi endlich mal sieht, wie das so ist, immer mit so einem engen Halsband! Aber dann blieb ihm tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben die Luft weg, er war à bout de souffle sozusagen - ich liebe ja die frühen Filme von Godard, müssen Sie wissen. Mosi hat wohl irgendwie auch diesen Spruch von wegen "Geiz ist Geil" nicht richtig verstanden. Er dachte, wenn er geil war, dürfe er auch ungestraft geizig sein. Da hat Herisch ihm aber einen Stricher durch die Rechnung gemacht.

Nick Igel:
Fräulein Moshammer, liebe Daisy, vielen Dank, dass Sie sich in dieser schweren Stunde die Zeit und den Mut für dieses Gespräch genommen haben.

Nur eine Frage bleibt noch offen: Wieso ist der Herr Beck von den Grünen eigentlich dagegen, den genetischen Fingerabdruck zu Klärung solcher Mordfälle und anderer Verbrechen bundesweit als Standard einzuführen? Mensch, Beck, denk doch mal nach! Sedlmayr war der erste. Dann kam Rex Gildo - der ist sicher auch nicht freiwillig gesprungen. Und jetzt Mosi. Mensch Beck, merkst Du nichts? Wenn die Bayern weiter so mit ihren Tucken umgehen, könntest Du leicht der nächste sein. Da würde ich an Deiner Stelle schon mal kriminologisch vorbauen!



Vierte Januarwoche:
Natürlich bleiben auch in der vierten Januarwoche die Katastrophen nicht aus, auch wenn es diesmal nur die normalen Wahnwitzigkeiten des Privatfernsehens waren. Zum Beispiel die Sendung loveline auf Viva. Da schickt man per SMS einfach seinen Namen und den Namen des oder der Angebeteten hin und bekommt dann mitten ins laufende Programm eingeblendet so eine Art "Horoskop light" zur Zukunft der Beziehung und eine Prozentzahl, wie gut man zusammenpasst. Na ja, das Ganze läuft natürlich reichlich textbausteinhaft ab und ist ungefähr so ernst zu nehmen wie ein Interview von Stefan Effenberg. Trotzdem habe ich einfach mal die Namen "Mosi" und "Herisch" hingeSMSt. Und war hocherfreut auf dem Bildschirm kurz danach zu lesen: "Mosi und Herisch - da ist viel elektrisches Knistern zwischen Euch! Um richtig in Schwung zu kommen, braucht Eure Beziehung aber noch ein Starterkabel!" Erstaunlich dicht an der Realität! Vielleicht funktioniert die "loveline" ja doch?

Noch schlimmer war im Januar nur eines, das liegt auf der Hand, die "Burg"! Hilfe, was ist denn da los? So starke Schlafmittel gibt es sonst doch nur auf Rezept. Es ist in gewisser Weise ein Format der geschlossenen Kreisläufe. Die Kandidaten stammen aus dem Recycling-Pool anderer, ebenso absurder Formate - Artemis von den Superstars, Alex Jolig, Kader Loth und Karim aus der Containerhaltung, und Ricky von der Nachmittagstalgshow gleichen Namens. Den Vogel hat bzw. schießt aber ein anderer ab - der Metzger Hans-Georg Lichtenberg, besser bekannt als unser Proletenprinz Frederic von Anal, der schon durch so ziemlich alle Sendungen gegangen ist, die sich im Niveau-Marianengraben bewegen. 500 Auftritte in Talkshows hat der WDR für den zehnten Ehemann von Zsa Zsa Gabor gezählt, zumeist prollig, neureich und töricht. Was ihn nicht hindert, in der Anfahrt zur Burg selbstbewusst in die Kameras zu schwadronieren: "Die meisten anderen Burginsassen kenne ich nicht, die gehören gesellschaftlich zum "Kleingedruckten", das lese ich nicht. Und Tanja Schumann als Frau von an die vierzig ist mir sowieso zu alt." So, so! Darf ich daraus auch auf die Innigkeit des Verhältnisses zu seiner neunzigjährigen Ehefrau rückschließen?
Ein geschlossener Kreislauf auch in der Moderation: Sonya Kraus und der nachnamenlose Elton sind die einzigen, die über ihre Witze lachen können und bewegen sich im Übrigen unfehlbar auf Bach/Zietlow-Level. Ansonsten lief schon der Pilot im Geiste von Sten Nadolny ab - die Entdeckung der Langsamkeit oder: wie strecke ich ein 30-Minuten-Format auf eine Länge von zwei Stunden? Einschläfernd!
Und was soll der Untertitel "Prominent im Kettenhemd"? Gemeint ist doch wohl "Renitent im Kettenhemd?" oder "Penetrant im Samtgewand"? Vielleicht auch "Durchgeknallt im Sherwoodwald"? "Beklopptenheim Rapottenstein"? Nein, wahrscheinlich doch: "Nageldoof am Königshof"!


Was war noch im Januar?
Ach ja, Colin Farrell wurde zu 4.800 Dollar Schmerzensgeld verurteilt. Zu zahlen an die Mitarbeiterin einer Sexhotline die er mit obszönen Anrufen belästigt haben soll. Hallo? Warum wird man deswegen verurteilt? Ich dachte, das sei gerade der Zweck solcher Hotlines?

Und Patricia Frankhouser hat in Pennsylvania eine Klage gegen die dortige Eisenbahngesellschaft angestrengt. Die Dame war auf den Gleisen herumspaziert und überraschenderweise von einem Zug angefahren worden. Klagebegründung: Die Eisenbahngesellschaft hätte davor warnen müssen, dass auf den Gleisen Züge fahren könnten.

Und auch Antoinette Millard geht vor Gericht. Sie will von American Express einen Erlass der 950.000 Dollar, die sie der Kreditkartenfirma nach verschiedenen ausgiebigen Shopping-Touren schuldet. Begründung in diesem Fall: American Express hätte ihr nicht so leichtfertig ihre Kreditkarte mit hohem Kreditlimit überlassen dürfen. Die Firma hätte wissen müssen, dass sie damit mehr Geld ausgeben könnte als sie zur Verfügung hat.

Tja, da läge es nahe, Justitia zur überflüssigen Frau des Monats zu ernennen, zumindest in den USA. Aber natürlich gebührt dieser Ehrentitel in diesem Monat ganz allein und posthum: Rudolf Mosi Moshammer!

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