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Nick Igels Kulturtagebuch
Hütchentante schon wieder überflüssigste Frau des Monats

Erste Märzwoche:
Es war nicht alles schlecht, im ehemaligen Westdeutschland. Muss sich der PDS-Politiker Stefan Gebhardt gedacht haben. Denn einer Meldung der BLÖD-Zeitung zufolge hat der Mann, immerhin Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, sich das Landtagsbüro mit Kinderpornos amerikanischer und westeuropäischer Provenienz vollgestellt. Was auch deswegen von Interesse ist, da er kürzlich in den MDR-Programmbeirat gewählt worden ist. Da wird im Zonenfunk statt Achim Mentzels "Musikantenkaiser" wohl demnächst die etwas andere Version von Michael-Jackson-Videos laufen.

Offenbar haben die Zonis zur Zeit aber auch einfach kein Glück. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann-Kasten, natürlich ebenfalls PDS, hat bei der Staatsanwaltschaft Göttingen ein Verfahren am Hals, weil sie militärische Geheimnisse offenbart haben soll. Die Dame war aus ihrer alten Privatwohnung ausgezogen - sie wollte in einer anderen Stadt eine neue Karriere als Puffmutter und Swingerclubbetreiberin beginnen - und hatte eine ganze Reihe von streng vertraulichen Vermerken der Geheimdienste zur Information des Bundestags zurückgelassen. Papiere, die sie erstens nicht aus dem Bundestag hätte mitnehmen sollen und die sie zweitens schon gar nicht hätte frei herum liegen lassen sollen. Na, vielleicht wollte sie ja nur eine Kopie für den KGB ziehen und hat sie diese mangels Interesse der Russen an unserem maroden Staatswesen nicht mehr an den Mann bringen können.

Irgendwie drängt sich bei alledem doch wieder einmal die Frage auf, ob das mit der Wiedervereinigung wirklich nötig gewesen wäre. Der Auffassung ist wohl auch der Herr Hank, der im gemeinsam mit Hans Barbier herausgegebenen Buch "Bubenstücke" erklärt, in Deutschland sei es zwar zulässig, sich die Frage zu stellen, wie man die Wiedervereinigung hätte besser machen können, tabu sie jedoch der Gedanke, ob es nicht besser gewesen wäre, die Wiedervereinigung ganz bleiben zu lassen. Dies hätten einige, die weniger Rücksicht auf das nationale Pathos der Deutschen nehmen müssten, schon früher ausgesprochen. Etwa der Ökonomienobelpreisträger Gary S. Becker, der bereits 1990 formuliert habe: "Ich bezweifle, dass die Integration von Ost- und Westdeutschland größere ökonomische Vorteile bringen wird, als man sie hätte haben können, wenn sie zwei getrennte marktorientierte Länder geblieben wären."

Dazu kann Uwe Müller etwas sagen. Der hat das Buch "Supergau deutsche Einheit" verfasst und schreibt auf Seite 9ff: "Ein gigantischer Geldregen prasselt seit 1990 über Ostdeutschland herab. (…) Trotz vieler geflossener Milliarden, die längst zu einem Billionenbetrag angewachsen sind, kann der Osten sich selbst nicht tragen - wie ein Junkie von der Nadel ist ein halbes Land von ständigen Geldinfusionen abhängig." Weiter geht es auf Seite 27: "Wäre Ostdeutschland ein eigener Staat, müsste er umgehend seine Zahlungsunfähigkeit eingestehen." Und auf Seite 152ff: "Jährlich 110 Mrd. Euro für den Osten an Sozialtransfers. Dieser gewaltige Geldstrom lässt sich nicht mehr mit der Gießkanne über die Landschaft verteilen, - dazu bedarf es schon des Feuerwehrschlauchs. (…) Der Aufbau Ost ist ein gigantisches Geldvernichtungsprogramm. (…) Im Osten der Republik herrschen sizilianische Verhältnisse (sogar ohne Mafia), die Kritik an unhaltbaren Zuständen gilt als Anschlag auf die innerdeutsche Solidarität."

Ulf Matthiesen ergänzt anschaulich, der Exodus aus der Zone "lässt den Osten versteppen, verblöden und vergreisen, es bleiben arbeitslose Stadtdeppen übrig."

Wäre das nicht ein Wahlkampfthema für den Bundeskanzler? Wiederteilung. Schließlich hat sich sein Vorgänger, als dessen Amtszeit sich 1989 dem Ende zuneigte und die Abwahl drohte, ebenfalls durch eine Änderung des räumlichen Geltungsbereiches des Grundgesetztes weitere acht Jahre Regentschaft gesichert. Und wenn er die Zone in die Wüste schickt, würde ich ihn sogar wählen, den Schröder.


Zweite Märzwoche:
Das Herrenmagazin FHM kürt in fast schon plagiativer Weise zum ersten Mal die "unerotischste Frau der Welt" Wo soll da, liebe FHMler, eigentlich noch der Unterschied zur "Überflüssigen Frau des Monats" sein? Schließlich muss bei utilitaristischer Betrachtungsweise der Rolle der Frau in der Gesellschaft festgestellt werden, dass die Überflüssigkeit in direkter Proportionalität zur Unerotik steht. Denn wenn die Frau nicht einmal dekorativ ist, wofür brauche ich sie dann noch? Na, wie dem auch sei, dass Ihr Camilla Parker Bowles auf den ersten Platz gewählt habt, noch vor Desiree Nick und Ex-Saftschubse Christiansen spricht dann doch wieder für Euch bei FHM.


Dritte Märzwoche:
In dieser Kolumne wird allerdings im März doch eine andere den Lorbeer der überflüssigen Frau des Monats erringen. Schon interessant - nachdem wir im Februar bereits Frau Simonis mit diesem Ehrentitel bedacht hatten, stellte sich in der dritten Märzwoche auf dramatische Weise heraus, dass wir zumindest einen Leser in der Kieler SPD-Landtagsfraktion haben müssen. Der gleich viermal bescheinigen musste, dass er seine Ministerpräsidenten für überflüssig halte. Dafür bekommen die Schleswig-Holsteiner statt der Hütchentante jetzt einen Landesvater, der seinen fehlenden Doktortitel durch das reichlich alberne Führen zweier Vornamen kompensiert. Aber, um auf unsere Titelträgerin zurückzukommen: Da Frau Simonis offenbar immer vier Wahlgänge braucht, ehe sie es kapiert, soll sie auch hier diese Freude haben und wird sie hiermit zum zweiten Mal und sicherlich nicht letzten Mal in direkter Folge zur "überflüssigen Frau des Monats" gekürt. Herzlichen Glückwunsch.


Nick Igel kippt Heide Simonis
und macht diese zum "Holsten-Tor des Monats"


Vierte Märzwoche:
So richtig verstehe ich ja nicht, was derzeit in der Bundesregierung abläuft. Während der Fischerjockel nicht rastet noch ruht, bis er den letzten Ukrainer ins Land geholt hat (Wie nennt man einen Ukrainer mit von der deutschen Botschaft erschlichenem Visum? Fischermans Friend!), haben die anderen Flitzpiepen im Kabinett offenbar das letzte Stückchen Anstand verloren.
Unser Bundesgerd, der ja schon den Krieg im Irak verhindert hat und deswegen zu Recht die Wahl im Jahr 2002 gewonnen hat, erklärt sich bereit, den obersten Kriegstreiber Wolfowitz zum Präsidenten der Weltbank zu wählen. Nur mal so für die Öffentlichkeit zum Mitschreiben: Deutschland hätte ein Vetorecht gehabt und den Mann im Alleingang verhindern können. Wäre aber schlecht für den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat gewesen. Und da die nächste Wahl weit genug weg war, hat der "Friedenskanzler" (SPD-Wahlkampfspot von 2002) plötzlich keine Bedenken gegen den Kriegstreiber. Vielleicht will man sich aber auch nur den nötigen Goodwill für das nächste 2 plus 4 Abkommen sichern, wenn wir mit den Amis und unseren Nachbarn die Wiederteilung festzurren. Irgendwie müssen wir dann ja die Amis dazu kriegen, dass sie uns vor den russischen Truppen beschützen, die sicher bald an der Demarkationslinie aufmarschieren werden.
Um aber noch mal auf die Weltbank zurückzukommen: Die soll ja ihrem Auftrag nach die Armut in der dritten Welt bekämpfen. Vielleicht braucht es da ja auch ein wenig geistige Armut in den Köpfen der Führung, schließlich kann man sich ja auf das Niveau der Kundschaft herabnivellieren. Und der alte deutsche Silvester-Slogan wird von Wolfowitz sicherlich auch auf den Kopf gestellt, jetzt heißt es erstmal "Böller statt Brot". Schließlich kann man das Weltentwicklungsziel, die Anzahl der weltweit in absoluter Armut lebenden Menschen zu verringern, auch erreichen, indem man ausreichend viele Arme in Angriffskriegen um Öl oder hegemonialen Einfluss zu Tode bombt.
Dazu passt auch die andere wichtige Meldung dieser Woche. Der Bundeskanzler will wieder Waffen nach China liefern. Schließlich muss man für den Sitz im Sicherheitsrat auch die Chinesen milde stimmen und brauchen die jede Atom- und Giftgaswaffe, die sie kriegen können, jetzt wo sie den Krieg gegen Taiwan planen. Danke, Friedensgerd! Irgendwie wundert es mich nicht mehr, dass das Volk inzwischen sogar die Merkel lieber als Kanzler hätte (vgl. auch unter überflüssige Frau des Jahrhunderts).

ni