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Monat 4 der letzten 4 Monate mit Gerd Schröder Der letzte Monat mit Gerd
Erste Augustwoche:
Auch auf Madeira, dies wird vor Ort sehr schnell augenfällig, gibt es einen öffentlichen Dienst. In dem der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung beschäftigt zu sein scheint. Nach zwei Wochen kann ich wohl von mir behaupten, dass ich das System der einzelnen Laufbahnen ziemlich komplett durchschaut habe:
Etwa unserem deutschen mittleren Beamtendienst entspricht die Laufbahn des Straßenfegers. Eingangsamt ist das des Hotelparkplatzfegers, der nach einer ersten Beförderung zum Nebenstraßenfeger aufsteigen kann. Die zweite Beförderung macht ihn zum Hauptstraßenfeger. Gar nicht so wenige erreichen das Endamt des Hauptstrassenfegers mit Hodensackkraul-Berechtigung. Nichtrepräsentative persönliche Eindrücke legen den Schluss nahe, dass gut die Hälfte der männlichen Bevölkerung der Insel im Endamt dieser Laufbahn beschäftigt ist. Angesichts des zu wünschen übrig lassenden Fegetempos braucht es die auch, um die Sauberkeit des Straßen- und Wegenetzes einigermaßen zu gewährleisten.
Der gehobene Dienst umfasst die Laufbahn des Straßenglotzers - ein angesehener (und zugleich ansehender) Berufsstand. Auch hier beginnt man bescheiden - als Parkplatzglotzer - und kann dann schrittweise aufsteigen, über Nebenstraßenglotzer und Hauptstraßenglotzer bis hin zum Hauptstraßenglotzer mit Ausrotzberechtigung. Laufbahnvoraussetzung ist die Befähigung zur mehrstündigen Regungslosigkeit im Angesicht des ruhenden wie nichtruhenden Straßenverkehrs. Im Endamt tritt als weitere Voraussetzung die Qualifikation hinzu, diese Regungslosigkeit fast schon ironisierend durch regelmäßiges Ausrotzen von tief unten "mit Satz" pointieren zu können.
Mindestens dem deutschen höheren Beamtendienst entspricht schließlich die Laufbahn des Straßentorklers. Auch diese beginnt man auf Parkplätzen, als Parkplatztorkler zur Anstellung. Die Beförderungsschiene umfasst sodann die Ämter des Nebenstraßentorklers, Hauptstraßentorklers sowie des leitenden Hauptstraßentorklers. Endamt ist die mindestens dem Niveau eines deutschen Staatssekretärs entsprechende Stufe des Hauptstraßentorklers mit Gröhlberechtigung. Voraussetzung für die Erreichung des Endamtes ist die Befähigung, täglich schon morgens um 10:00 Uhr hackebreit zu sein und in diesem Zustand unter Abgröhlen eingängiger Lieder gleichmäßige (!) Schlangenlinien über die gesamte (!) Breite der Hauptstraße torkeln zu können - und zwar ohne Unterbrechung, bis Sonnenuntergang.
Zweite Augustwoche:
Der Herr Stoiber meldet sich zu Wort und weist zutreffend darauf hin, dass Wahlen nicht im Osten entschieden werden dürften. Dieser Meinung sind ganz offensichtlich auch die Ossis. Deswegen liegt dort in den Umfragen mit der SED eine Partei ganz vorne, die bereits zwischen dem 18. April 1946 (Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED) und dem 18. März 1990 (Volkskammerwahl) dafür gesorgt hatte, dass die Ossis in Wahlen aber auch rein gar nichts mehr zu entscheiden hatten. Folgerichtig strebt zumindest die "kommunistische Plattform" in der SED noch immer die Abschaffung des Grundgesetzes und damit auch des allgemeinen Wahlrechts an. Und dem Herrn Lafontaine, dem "Napoleon von der Saar", ist zuzutrauen, dass er sich mit dem Amt eines Konsuls auf Lebenszeit durchaus anfreunden könnte. Auch die Ossis wären happy. Die haben mit Saarländern in der Staatsführung doch beste Erfahrungen gemacht. Soll heißen: Wenn wir Glück haben und die schwärmerisch-ostalgische Sehnsucht nach einer Diktatur anhält, gewinnt die SED die nächsten Landtagswahlen in der Zone und nimmt sie den Ossis wieder das Wahlrecht. Wenn wir Pech haben, siegt die SED auch im Bund und wir dürfen alle nicht mehr wählen. Dann werden wir kollektiv zu den Ossis der Franzosen. So, wie es auf einem SED-Plakat zu lesen steht: "Gysi und Lafo an die Macht - denn warum sollten immer nur die regieren, die das können?" Dumm nur, dass Oskar dann seine Luxusvilla verlassen und in die neue Dienstwohnung des Bundeskanzlers in Wandlitz einziehen muss.
Vielleicht mag es auch an der besonders "demokratischen" Staatslenkung der SED gelegen haben, dass die "klügeren Bevölkerungsteile" (Stoiber a.a.O.) aus Sachsen, Brandenburg und Co. schon vor dem Mauerbau Zuflucht in Bayern gesucht hatten. Unklar ist allerdings, warum Stoiber im Bundestagswahlkampf ungeachtet der wissenschaftlichen Unangreifbarkeit seiner Analyse des intellektuellen Gefälles zwischen West und Ost mit Angela Merkel eine Angehörige der Gruppe der "Frustrierten" und der "weniger klugen Bevölkerungsteile" unterstützt - und nicht Gerhard Schröder, der lediglich Kusinen im Osten vorweisen kann und selbst diese wieder in der Versenkung verschwinden lassen hat, nachdem unschöne Unterlagen über die Stasimitarbeit der buckligen Verwandtschaft aufgetaucht waren.
Dritte Augustwoche:
Der Wahlkampf spitzt sich zu, die Umfragen für die Regierung bleiben miserabel und keiner weiß, was den Kanzler noch retten könne. Sicherlich nicht Claudia Roth. Von der Pater Basilius Streithofen SJ bekennt: "Sie wirkt auf mich hochgradig zölibatsverstärkend." Und Claudia Roth hatte - niemand kann so recht sagen, warum - nach zahlreichen Gastspielen im "Popclub" und anderen Sendungen wieder einmal einen Auftritt in ihrem Nebenjob als Politikerin. Und zwar bei Frau Illner in "Berlin Titte". Da erklärte die Frau Roth dem verwunderten Herrn Westerwelle und unter anderem auch dem noch verwunderter am Fernsehgerät lauschenden Herrn Igel, dass die Windenergie in Deutschland nicht subventioniert werde. Denn die Windenergie-Erzeuger erhielten schließlich kein Geld vom Staat. Vielmehr habe man, um die hohen Kosten der Windenergie aufzufangen, ein System geschaffen, in dem man dem Verbraucher für Strom aus allen Energiequellen einen mittleren Strompreis in Rechnung stelle, in dem die hohen Kosten für Windenergie gesenkt würden, weil sie mit den günstigeren Erzeugungskosten von Kern- und Kohleenergie zu einem Gesamtdurchschnittspreis verrechnet würden. Der Herr Westerwelle hat ihr dann ganz gütig erklärt, dass man so etwas im allgemeinen Sprachgebrauch "Quersubventionierung" zu nennen pflege. Ach ja, und dann hat er noch erwähnt, dass aus Windenergie derzeit rund 0,67 Prozent des deutschen Stromverbrauchs gedeckt würden und dass die Quersubventionierung dafür den Verbraucher im Jahr 3 Milliarden Euro koste. So dass wir alle zusammen nur 450 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich auf den Tisch das Hauses legen müssten, um uns komplett aus Windenergie versorgen zu können. Die Frau Roth hat dann noch ein Weilchen geweint und dann haben sich alle an den Händen gefasst und gemeint, es sei doch gut gewesen, dass man mal darüber geredet habe.
Was sonst, so fragte sich "Kanzler Schröders Lonely Hartz Club Band" in Kanzleramt und Partei nach diesem Fehlschlag verzweifelt, könnte den Kanzler noch retten. Und dann, plötzlich… meldete sich der für das Wetter zuständige Bundesinnenminister mit der Nachricht, da es in den Alpen regne und es keinen Lichtstreif am Horizont gäbe, gebe es einen Lichtstreif am Horizont - es drohe eine Flut. Schröder wies sofort die sozialdemokratischen Kommunal- und Regionalpolitiker in Bayern und Baden-Württemberg an, die Staudämme der Alpenseen zu öffnen. Leider hatte er vergessen, dass es in den Alpenländern so gut wie keine sozialdemokratischen Mandatsträger gibt (zweifellos wegen der klügeren Bevölkerungsteile). So wurde es nur ein Flütchen und der Kanzler blieb, was er war: Soooo klein mit Flut! Some broken Hartz never mend…
Vierte Augustwoche:
Leider bleibt es mir nicht erspart, auch in diesem Monat noch einmal auf die Frau aus der Delmenhorster Dorfscheune, Verzeihung, auf Sarah Terenzi-Connor einzugehen. Nach langer und eingehender Überlegung habe ich mich dann doch dagegen entschieden, sie einfach totzuschweigen (wenn das doch nur ginge!) und die ganzkörperbeschriftete ("hier bitte aufreißen!") Frau mit der Entenoberlippe über dem vulgären Mund und den schiefen Zähnen ebenso mit Verachtung zu strafen wie ihren albernen, an eine Charly-Steeb-Parodie in der Proloausgabe für Arme erinnernden Honey-Marc und den kleinen gemeinsamen Tyler. Was aber die illegitimen Nachfolger der Fernsehproletenfamilie Fussbroich den nichtsahnenden Zuschauern an pilchereskem, konsalischem Pseudoromantikschmalz zumuteten, das war so schmierig, so glitschig, so seifig, dass einem die Fernbedienung aus der Hand rutschte und man nicht einmal mehr in Notwehr wegzappen konnte. Die haben sich nicht nur trauen lassen, die haben sich auch getraut, einen echten Fernseh-GAA (Größter Anzunehmender Abfall) zu produzieren. Dass sich etwas zusammenBRAUTe, ahnte man schon, als der heitere "Wedding-Planner" auf den Plan trat. "Mein lieber Mann, wenn der nicht hetero ist, ist es der Biolek auch nicht", dachte ich nur so bei mir. Dann traten Sarah and Marc ja auch noch bei Stefan Raab auf. Wo zunächst die Frau Connor die Erklärung für die audiovisuelle Folter in neun Teilen gab - wir haben ja noch nie eine Homestory gemacht, und jetzt, wo die Karrieren in der Sackgasse sind, haben wir gedacht, vielleicht hilft das wenigstens über die nächsten paar Monate, immer noch besser als Hartz IV. Sodann verlängerte der Herr Terenzi die lange Liste der Peinlichkeiten noch um einen weiteren Höhepunkt indem er es wagte, live zu singen. Sagen wir es mal ganz zurückhaltend: Selbst bei "Deutschland sucht den Superstar" hätte sein Vortrag wohl nicht ganz für die zweite Runde gereicht. Und bei den "Popstars" hätte er froh sein müssen wenn Detlef D! Soost nicht tätlich geworden wäre.
Was in der Hofberichterstattung über das ganze TRAUerspiel leider verschwiegen worden ist: Offenbar kam es im Rahmen der Feierlichkeiten zu einer handfesten Schlägerei zwischen einigen Gästen. Nachdem schon in der geschönten Fernsehausgabe einige Visagen zu sehen waren, die jedem Verbrecheralbum zu Ehre gereicht hätten, und wir ja auch die, sagen wir mal, rustikale Verwandtschaft des Herrn Terenzi kennen lernen durften, eigentlich kein großes Wunder. Auch wird es angesichts der beschriebenen Gäste keinen wirklich verblüffen, dass am Hochzeitsabend drei Ketten im Gesamtwert von 15.000 Euro von der Hochzeitstorte entwendet worden sind. Aus meiner Sicht eigentlich ein Fehler, denn nach neun Folgen "Sarah and Marc fürn Arsch" gehören zumindest die Hauptdarsteller der Serie und das Produktionsteam in Ketten.
Was war noch im August?
Weltjugendtag in Köln! Ehrenigel in Gold für die BLÖDzeitung, die doch tatsächlich titelte "Köllelujah". Am Rande der Veranstaltung konnte ich in der Bonner Rheinaue beobachten, wie die Gläubigen nach dem inoffiziellen Motto des Events "Poppen bis der Papst kommt" zwischen Büschen und Bäumen die "Chance der Begegnung" (Meisner) nutzten und angewandte Nächstenliebe praktizierten.
Dazu passt auch eine Meldung unseres Korrespondenten aus Swasiland, der übermittelt, dass der dortige König das Sexverbot für Jungfrauen ebenso aufgehoben habe wie die gesetzliche Verpflichtung unverheirateter Frauen zum Tragen eines Keuschheitsgürtels. Anlass für die Aufhebung dieser Maßnahmen, die dazu dienen sollten, eine weitere Ausbreitung von AIDS zu verhindern (immerhin sind 40 Prozent der erwachsenen Swasis bereits infiziert), war das so genannte Schilfrohrtanzfest, bei dem es Tradition ist, dass der König sich unter barbusig vor ihm tanzenden Mädchen eine zusätzliche Ehefrau aussucht. Da der König beim letzten Schilfrohrfest schon einmal gegen das Sexverbot verstoßen hatte, war er damals hart bestraft worden - er musste eine Kuh abgeben. Nun ja, eine Kuh für eine Ziege, das ist ja fast wie bei Hans im Glück.
Dann war da noch der Wahrsager aus Edinburgh, dessen Wohnung abbrannte, weil die Sonne durch seine Kristallkugel fokussiert einen Wäschehaufen in Brand gesetzt hat. Leider hatte der Wahrsager dies nicht vorhergesehen.
Bleibt die Frage nach der überflüssigen Frau des Monats (ÜFDM). Ganz knapp geschlagen auf dem zweiten Platz landete die etwa fünfzehnjährige Hauptschülerin, die in einer ARD-Sendung auf die Frage des Lehrers, welches Fach sie am wenigsten interessiere, entgegnete: "Geschichte! Mich interessiert nicht was früher war, mich interessiert die Zukunft. Ich mache mein Ding und die machen ihr Ding, diese Römer und so." Diese beachtliche Aussage bleibt bei objektiver Betrachtung aber doch hinter dem zurück was sich eine gewisse Frau Christiansen seit einigen Jahren allsonntagabendlich in ihrer Talkshow leistet. Es ist doch immer wieder dasselbe. Sie lädt zu viele Gäste ein, gibt kein klares Thema vor und sorgt mit einer nur noch als armselig zu qualifizierenden Diskussionsführung dafür, dass der Abend garantiert erkenntnisfrei und ergebnislos bleibt. Irgendwie wartet man ja auch immer darauf, dass sie in ihren alten Beruf zurück verfällt und wenigstens mal Getränke serviert oder auf die Notausgänge über den Tragflächen und im vorderen und hinteren Teil der Kabine hinweist. Warum ich das erst jetzt kritisiere? Weil die Frau Illner im August vorbildlich bewiesen hat, dass es auch anders geht. Wie die den Kanzler und die Angie, die jetzt nicht mehr so heißen darf, jedenfalls nicht in der Stones-Melodie, dazwischen genommen hat - das war schon großes Kino und hat gezeigt, dass man Politiker auch zu klaren Aussagen zwingen kann. Und das als Frau aus dem Osten! Sollte da doch mal ein mikroskopisch kleines klügeres Bevölkerungsteilchen durchgerutscht sein? Klarer Fall: Ehrenigel in Doppelgold an Frau Illner, überflüssige Frau des Monats-Award in Platin an Sabine Christiansen. Ach und, Frau Christiansen - im Falle eines Druckabfalls im Intellektbereich verlassen sie das Studio künftig doch bitte einfach über die Notrutschen, folgen den Anweisungen der Redaktion und gehen zurück zum Saftschubsen in den Airbus.
Eins noch: Zum Abschied schon heute ein leises "Servus, Gerd". War schön mit Dir. Vor allem weil Deine Truppe nun wirklich nicht müde geworden ist, mir Stoff zu liefern. Ein Trost, dass sich schon jetzt abzeichnet, dass das unter Angie auch nicht sehr viel anders werden wird. Hoffen wir in diesem Sinne mal alle, dass auch Stoibie mit nach Berlin kommt!
ni |
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