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Ballack, die Call-In-Nutten, Herr Lafer oder Heidi Klum
Wer wird die überflüssigste Frau des Jahres?

Erste Märzwoche:
Der März ist ja der Monat, in dem traditionell die Entscheidung fällt, wer nun zur überflüssigen Frau des Jahres gewählt wird. Eine gute alte Tradition, die ich in diesem Monat zu begründen im Begriff bin. Und selten war die Auswahl größer als in diesem Jahr. Einige der Top-Favoriten haben im März noch einmal richtig Gas gegeben, um es auf die Nominierungsliste zu schaffen. Zum Beispiel Michael Ballack. Der einzige, der in dieser Woche sowohl im Spiel der Nationalmannschaft gegen die Italiener als auch im Spiel der Bayern gegen Mailand auf deutscher bzw. bayerischer Seite auf dem Platz stand. Er hat also gleich acht Gegentreffer kassiert. Glückwunsch, so eine schwache, verweichlichte Performance haben wir seit dem Coup von Jürgen "Fehlstart" Hingsen 1988 in Seoul nicht mehr gesehen.
Glanzvoll auch die Trostrunde für die Nationalkicker und ihr Klinswoman bei der Bunnzkanzlerine. Wobei der Bundesangie anzumerken war, wie angestrengt sie sich in der anschließenden Pressekonferenz beim Vorlesen ihres fußballsachverständigen Statements konzentrieren musste, um ja nix falsch zu machen - beim Heucheln von Fußball-Kompetenz. Denn der Mob mag es verzeihen, wenn sie brutto und netto durcheinander haut (da ist sie in bester Pisa-Gesellschaft). Und auch die Verwechslung von SPD und FDP hat ihr beim Stimmvieh noch nicht wirklich geschadet - zumal es Gemeingut ist, "dass die Politiker sowieso alle gleich sind". Ein "Schalke Nullfünf" allerdings wäre ihr nie verziehen worden. Das hat bereits an anderer Stelle zu einer milden Form von Lynch-Justiz geführt und damit wäre Angie noch schneller weg vom Karrierefenster gewesen als ein österreichischer Dopingsünder aus Turin über den Brenner fliehen kann. Fazit: Es hat lange gedauert, aber endlich gibt es jemand, der Merkel heißt und noch weniger von Fußball versteht als Max Merkel.


Zweite Märzwoche:
Ein heißer Kandidat für die überflüssige Frau ist sicher auch die UNESCO. Die hat doch glatt das KZ Auschwitz zum Weltkulturerbe erklärt. Dass man das KZ unter Denkmalschutz - besser Mahnmalschutz - stellt, ist mir ja noch eingängig. Aber der Begriff "Weltkulturerbe", suggeriert der nicht ein klein wenig, dass es sich um einen Ort der Kultur handelt oder gehandelt hat? Klar, da gab es Streichorchesterkonzerte. Und Hitler hat ja auch die Autobahnen gebaut und damit viel für die Fahrkultur getan. Und irgendwie kann man sich ja manchmal auch des Eindrucks nicht erwehren, dass der auch der gut organisierte Genozid zumindest in der damaligen Zeit ein essentieller Bestandteil der deutschen Leitkultur gewesen sein könnte. Aber so wird's ja wohl nicht gemeint sein, mit dem Weltkulturerbe. Und zum Schauplatz der Massenvernichtung scheint mir der Begriff nicht so besonders gut zu passen. Das könnte die braunen Deppen von heute vielleicht auf falsche Ideen bringen.
Kaum besser allerdings die Polen. Denen ist der Begriff Auschwitz jetzt nicht mehr präzise genug. Sie planen die Umbenennung in "von den Deutschen eingerichtetes Konzentrationslager zur Judenvernichtung Auschwitz-Birkenau". Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich um zwanzig Minuten, wenn der arme Hoferjan das jedes Mal ausformulieren muss, wenn in der Tagesschau wieder nationaler Sack-und-Asche-Tag angesetzt ist. Aber vielleicht ist die Präzisierung ganz gut. So kann man Verwechslungen mit den Internierungslagern der russischen "Schutzmacht" und diesen russischen Beschützern gegenüber nur allzu willfährigen polnischen Regierungen nach dem zweiten Weltkrieg vermeiden.



Dritte Märzwoche:
Dies alles wird natürlich wieder einmal in den Schatten gestellt von den wahrscheinlich überflüssigsten Frauen überhaupt, den Call-In-Quiz-Nutten. Im März haben sich die Halter der Teleprostituierten bei DSF wieder einmal etwas Neues einfallen lassen. Auf einer Tafel wird ein Wort angeschrieben, z.B. "Fahrrad", darunter kleben einige Geldscheine. Unter den Scheinen versteckt befinden sich weitere Worte, die an das Wort "Fahrrad" angehängt angeblich allesamt sinnvolle und gängige Komposita ergeben. Wer anruft, wider Erwarten durchkommt und eines der fünf oder sechs von den Geldscheinen verdeckten Worte errät, bekommt die über dem Wort klebenden Geldscheine. Der Trick bei der Sache ist, dass nur ein, zwei wirklich gebräuchliche Komposita im Spiel sind (um beim Beispiel zu bleiben: Fahrradsattel und Fahrradständer), die übrigen Worte aber völlig abwegig und ungebräuchlich sind. Zufälligweise kleben die großen Scheine natürlich über den erfundenen oder abwegigen Worten, so dass die verzweifelten Anrufer vielleicht einmal fünfzig, hundert, vielleicht auch zweihundert Euro kassieren können, aber keine wirkliche Chance auf den großsprecherisch avisierten Hauptgewinn von mehreren Tausend Euro haben. Mir ist es zum Beispiel nicht gelungen, bei Google oder Yahoo sinnvolle Bedeutungen für das als Hauptpreis nachgefragte Wort "Fahrradkasten" (was soll das sein?) zu finden. Auch die "Fahrradschlange", der zweite Hauptgewinn, scheint nur in Urwäldern vorzukommen, in die bislang noch niemand vorgedrungen ist, findet sie sich doch anders als die Blinschleiche, die Brillenkobra und - passend zur Call-In-Nutte - die Puffotter nicht einmal bei wikipedia. Hier scheint mir bereits der Tatbestand des Betruges erfüllt zu sein. Auf jeden Fall aber der Tatbestand der Prostitution - sind die Moderatösen doch bereit, das Volk gegen Entgelt massivst in die Irre zu führen.
Legendär auch schon die Sendung, in der nach Komposita von "Fußball" gefragt war. Nicht nur, dass der Hauptpreis wieder einmal über einem eher originellen Wort klebte. Nein, nachdem "wider Erwarten" auch nach zwei Stunden noch keiner auf die Lösung gekommen war - zwei quälenden Stunden übrigens, in denen uns schon nach wenigen Minuten versichert wurde, die Sendung ende "jetzt gleich" und man müsse "unbedingt schnell noch anrufen" - gab die call-in-Hure sogar noch einen wertvollen Tip: Sie erklärte, das gesuchte Lösungswort sei das Gegenteil von Fußballamateur. Und vermittelte dabei unmissverständlich, wenn auch nicht explizit den Eindruck, sie gebe einen Tip zum Hauptpreis. So war der glückliche Anrufer, der nur wenige Viertelstunden darauf als erster durchkam, recht erstaunt, dass die Lösung "Fußballprofi" zwar auch richtig war, ihm jedoch nur die beiden Fuffis unten rechts aus der Ecke der Tafel brachte und die beiden Fünfhunderter in der Mitte schön brav beim DSF blieben. Weil der Hauptpreis für das Wort "Fußballdatenbank" ausgelobt war, das seltsamerweise niemandem eingefallen war, schon gar nicht als Gegenteil zum Fußballamateur. Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, einmal ein paar solcher Sendungen aufzuzeichnen und das Ganze der Staatsanwaltschaft zuzuleiten. Mit welchem Recht wird dieser ganze Unsinn eigentlich in unsere Kabelnetze eingespeist. Statt dessen könnte man doch wunderbar französische oder britische Sender einspeisen, schon allein mit Blick auf Pisa-Studien und den eher zweifelhaften Beitrag, den die Call-In-Nutten zur Allgemeinbildung leisten (gut, ich gebe zu, ich habe mit der Fahrradschlange immerhin eine neue Kriechtierart kennen gelernt).



Vierte Märzwoche:
Viele andere Kandidaten für die überflüssige Frau wären zu nennen. Johann Lafer zum Beispiel, der sich nicht entblödet in einer seiner "Koch"sendungen "Papayatatar" zu machen. Johann, niemand sollte Gerichte zubereiten, die er nicht aussprechen kann. Dieses "Babbeierdaddaa", da kann man sich durchaus auch ziemlich eklige Sachen drunter vorstellen!

Oder denken wir an Tooske, den blonden Golden-Toast aus unserem Nachbarland mit den Tulpen und den Wohnwagen. Ich glaube ja, dass man die nur deswegen als Moderatöse von Deutschland sucht den Superdepp eingekauft hat um zu beweisen, dass sich selbst das Niveau von "Lassie" Hunzicker noch unterbieten lässt. Feldversuch gelungen.

Nicht ganz sicher bin ich mir im Fall Martina Ertl. Ist sie eigentlich selbst die überflüssige Frau, weil sie als erfolgloseste Alpinskifahrerin der letzten zwei Jahre noch immer daran glaubt, bei irgendwelchen Höhepunkten mit "auf dem Stockerl" stehen zu können, als wäre das nicht für die Damen aus jenem ÖSV-Team reserviert, für dessen Biathleten Udo Jürgens´ alte Fußballhymne "wir sind schon auf dem Brenner" eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Oder ist nicht eigentlich der Rubenbauer noch viel überflüssiger, der sich - um die Einschaltquoten bei seinen ohnehin unerträglichen Reportagen zu steigern - nicht zu blöd oder zu schade ist, so zu tun, als hätte die Ertelin wirklich irgendeinen Hauch einer Chance ("heute wieder gute Medaillenchancen für Deutschland"). Hat der mit Whisky-Waldi drei Weißbier zuviel eingeworfen, oder was war da los? Rubenbauer, wenn Du so weiter machst, ist der Weg bis zum Call-In-Quiz nicht mehr weit.

Dann wären da noch die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Nicht nur, dass Bundesländer mit Doppelnamen ebenso überflüssig erscheinen wie Frauen mit Doppelnamen. Auch die Wahlen sind ziemlich überflüssig. Dachte sich jedenfalls die Bevölkerung, die schier daran verzweifelt, angesichts der großen Koalition die Parteien der Bundesregierung kaum noch vernünftig abstrafen zu können. Und ohne das, wenn es also nur um die Landespolitik geht, macht das Wählen ja keinen Spaß. Denn die Landespolitik ist in Ländern mit Doppelnamen kaum spannender als ein Tatort vom MDR. By the way: Ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, dass der Herr Oettinger irgendwie dem Herrn Sarkozy aus Frankreich ähnlich sieht? Die haben beide so etwas Mephistophelisches. Während der Herr Beck ja eher aussieht wie Kater Karlo. Und der Herr Böhmer wie ein Tatort-Kommissar vom MDR.

Überflüssige Frauen en masse auch bei Germanys next Topbulimistin. Bisher hatte ich bei Heide Klum immer nur das vage Gefühl, dass ich die irgendwie nicht mag. Kann damit zusammenhängen, dass sie ihre Gummibärchen zwischen den Vorderhufen aufbewahrt, muss aber nicht. Kann auch damit zusammenhängen, dass sie irgendwie nicht wirklich hübsch ist. Oder damit, dass sie sich spätestens dann als echte Blondine entpuppt hat, als sie sich von dem schmierigen Flavio hat deflorieren und befruchten lassen. Egal, inzwischen weiß ich jedenfalls, dass ich sie nicht mag. Dieses affektierte, halbdebile, selbstherrliche, pseudomitfühlende Gehabe in zehn quälenden Folgen der Auswahl zwischen Not und Elend verdient nun wirklich den Alice-Schwartzer-Preis für offensive Demanzipation in Doppelplatin. Zumal die weiblichste Kandidatin, diejenige, die sich am besten bewegen konnte und die eleganteste Ausstrahlung hatte, gar keine Kandidatin sondern "Lauf-Coach" Bruce Darnell war. Bei der Gelegenheit: Was sind Models eigentlich für ein Menschenschlag, wenn die erst mit siebzehn laufen lernen? Und: war die Desinteressierte, Bauerntrampelige aus Franken mit der tiefen Stimme nun eigentlich eine Transe oder nicht?

Ein überraschender Kandidat drängte sich dann in letzter Minute noch auf die Nominierungsliste. Ditze Genscher, der sich - aus welchem kühlen Grunde auch immer - bei der Godesberger Leistungsschau (ein herrliches Beispiel für contradiction in terms) am "Männergesundheitstag" vor einer "begehbaren Prostata" ablichten ließ. Mensch Ditze, dass es in der Politik manchmal unumgänglich ist, anderen in den Arsch zu kriechen, mag ja sein. Aber Du bist dann wirklich der erste, der den Vordereingang nimmt!

Soweit die Nominierungen. Und überflüssige Frau des Jahres ist:
Heinrich Böll. Ja, das wird jetzt viele überraschen, zumal Bölli ja in den letzten zehn Jahren nicht mehr besonders viel Schaden anrichten konnte. Aber ich habe mal wieder seine "Reden und Schriften" gelesen und kann es immer noch nicht fassen, wie weinerlich-weibisch er da bei verschiedenen politischen Entwicklungen immer wieder den Teufel an die Wand gemalt hat. Und wie falsch er lag. In der Kategorie "Fehleinschätzungen der politischen Lage" wäre er Spitzenreiter jeder All-Time-Bestenliste. Ende der Sechziger meinte das Heinerle, die Notstandsgesetze brächten uns früher oder später die Diktatur der CDU. Dabei hat der dicke Helmut die doch aufbauen können, ohne die Notstandsgesetze auch nur ein einziges Mal bemühen zu müssen. Wenn Wörner Verteidigungsminister würde, so der Böller-Heini Anfang der Achtziger, dann würde Deutschland binnen weniger Jahre im Krieg landen. Wörners Manni wurde es zwei Jahre später und hat nicht nur den Job unauffällig hinbekommen, sondern auch noch ein paar Jahre die NATO geleitet, ohne dass selbst sich anbietende Gegner wie Österreich oder die Niederlande jemals mit anderen als fußballerischen Mitteln bekämpft und besiegt worden wären. Der Nato-Doppelbeschluß, so das Böllchen weiter, führe mit hoher Sicherheit in einen Atomkrieg. Aha! Der Krieg muss mir irgendwie entgangen sein, auch wenn wir in diesem Jahr fast schon einen atomaren Winter hatten. Die Probleme, unter denen wir heute wirklich leiden - Zusammenbruch der Sozialsysteme nachdem während der Regierungen Schmidt und Kohl kräftig auf Pump gelebt wurde - die hat der Böllermann, das selbstapostrophierte "deutsche Gewissen", aber geflissentlich übersehen. Obwohl die Eckdaten zur demographischen Entwicklung durchaus bekannt waren. Aber dann hätte man ja vor dem großzügigen Umverteilen warnen müssen, und das passte wohl nicht recht in die linke Programmatik. Und die Wiedervereinigung - ausgerechnet auch noch von jenem Kohl ganz ordentlich geleitet, der ja eigentlich damit hätte beschäftigt sein müssen, seine Diktatur zu festigen - hat der Herr Böll auch nicht für möglich gehalten. Eigentlich schade, dass er das Ende des von ihm verteidigten Sozialismus nicht mehr erleben durfte. Setzen sechs, Bölli. Überflüssige Frau des Jahres in Gold! Auch wenn's nur posthum ist - wurde Zeit, dass das nachgeholt wird!

Die Silbermedaille geht an alle Call-In-Konkubinen - eine geschlossene, solide Mannschaftsleistung über das ganze Jahr hinweg, Respekt, überflüssige Frau in Silber und Strafanzeige wegen Betruges in Gold.

Und die Bronzemedaille erhält Heidi Klum. Hier sieht die Redaktion gute Perspektiven, dass die Frau im nächsten Jahr entweder schon televisionäre Geschichte sein wird oder sich noch weiter vorne platziert. Andere Möglichkeiten sehen wir nicht.

Unehrenvolle Erwähnung auch für Sarah Connor. Guter Einstieg am Beginn des Jahres und lange Favoritin für den Spitzenplatz, inzwischen hat aber selbst das Unterschichtenfernsehen schon die Überflüssigkeit der Frau Connor erkannt und sie weitestgehend vom Sender genommen, so dass sich der Award erübrigt. Danke!

Einen Sonderpreis bekommt der erfolgversprechende Nachwuchschauvinist James Golden, der in diesem Monat die wichtige Frage stellte: "Wozu gibt es eigentlich Frauen mit kurzen Haaren?". Falls jemand eine Idee hat, Zuschriften bitte an die Bonner Redaktion von fettig.de, zu Händen des Leiters unserer Frauenredaktion, Herrn Patrick Bateman.

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