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Evchen Herman, Detlef D! und die Bahn Neues zur Unterschichtsdebatte
Erste Septemberwoche:
Neues aus Mannheim - der Naidoo-Xaver ist seinen Führerschein los. 20 Punkte in Flensburg, weil er immer wieder mal mit Bleifuß unterwegs war. Nun muss er zum Idiotentest. Da wird er wohl hinlaufen dürfen. Kann er ja im nächsten Song verwenden: Dieser Weg wird ein Fußweg sein, steinig und schwer…
Evchen Herman, weniger für Fußwege bekannt als für Holzwege, verbreitet sich derweil über unsere Brüder und Schwestern ausm Osten. Die hätten alle einen Kinderkrippen-Schaden, stellte das Evchen fest, und seien deswegen gefühlskalt und rechtsradikal. Lese ich da richtig zwischen den Zeilen, dass in der letzten Zeit der eine oder andere Adam aus dem Beitrittsgebiet das Evchen hat abblitzen lassen und sie sich nun abreagieren muss? Und überhaupt - selbst das Mutterleitbild aus dem Dritten Reich predigen und dann aber anderen Rechtsradikalität vorwerfen, ist das nicht irgendwie… blond?
A propos Brüder ausm Osten, da fällt mir gleich wieder Detlef D! Soost ein. Wer den nicht kennt - das ist so eine Art DJ Bobo für Trabantfahrer. In der aktuellen "Popstars"-Staffel geht er wieder mal auf die Suche nach den New Angels. Und findet zum Beispiel dieses picklige, kuhäugige halbtschechische Schwesterpaar, das etwa so viel Sexappeal hat wie Jessica Stockdoof-Stich, von der wir wiederum in der BLÖD-Zeitung erfahren durften, dass sie am liebsten oben ohne in ihrer Wohnung herumläuft. Also jetzt ganz oben ohne, zwischen den Ohren, nehme ich mal an. Aber das Privatleben der zu Recht vergessenen deutlich schlechteren ehemaligen Hälfte des ebenso vergessenen ewigen Zweiten der Tennisweltrangliste ist eigentlich eine andere Geschichte. Denn hier soll ja von Det Soost die Rede sein. Dem Mann, an dem ein Fremdenlegionsfeldwebel verloren gegangen ist - das wird in den vielen anrührenden Dialogen zwischen ihm und den Popp-Sternschnuppen deutlich. "Ick werde echt zum Arschloch" heißt es da in peinlicher Fehlverwendung der futurischen Form. Oder: "Ick lass Euch üben, bis die Schwarte kracht". Oder der Schwatte kracht, weil er vor Wut platzt. Jetzt ist auch klar, wofür das Kürzel Pro in "Pro7" steht: Für Prolet! Obwohl - kurz drauf ist er dann wieder ganz der Herr Soos und heuchelt Zuneigung und Betroffenheit, wenn einer der Delinquentinnen wieder einmal etwas ganz Schlimmes passiert, also der Vater stirbt oder der Schnürsenkel reißt. Da weint er schon mal mit und trocknet sich die Tränen mit einem Handtuch, unter dem der halbe Zirkus Krone Platz hätte. Rührend! So wie die ganze Sendung, die mit Popstars allerdings völlig falsch bezeichnet ist, eine einzige Betroffenheits-Soße (Soose?) ist. Und warum das Ganze? Nur um eine Billigversion der No Angels für den Homeshopping-Kanal zusammen zu stellen? Wäre doch gar nicht nötig gewesen! Echt nich!
Zweite Septemberwoche:
Wer hat eigentlich als erster das böse Wort gesagt? Wer hat dafür gesorgt, dass alle Dämme der politischen Korrektheit brechen wie eine Bulimistin nach dem letzten Abendmahl? Wer hat die Einladung für die neueste Betroffenheitsparty unterschrieben? U.A.w.g. - um Abscheubekundungen wird gebeten - wie üblich an alle selbst ernannten guten Gewissen der Nation - mit Ausnahme vielleicht vom SS-Günni, noch ist nicht genügend GraSS über die Jugendsünde gewachsen. Es sei denn, der Günni könnte vielleicht einen Kinderkrippenschaden nachweisen, dann wäre das mit der Waffen-SS natürlich entschuldigt, zumindest laut Eva Braun, äääh, Eva Herman, meine ich natürlich. Denn ausm Osten isser ja, der Günni…
Aber bei den anderen Betroffenheitsinkarnationen, den Franz Alts, den Lea Roshs, den Roger Willemsens und den Luc Jochimsens, da darf - und muss eigentlich sogar - protestiert werden gegen die neue Klassenkampfrhetorik. Kann doch nicht angehen, dass es plötzlich wieder eine UNTERSCHICHT gibt und diese auch noch als solche bezeichnet wird. Mob, ja, auch Gesindel, Pack, Pöbel, Plebs, Gesocks und Asis, kein Problem, eventuell darf man vielleicht auch noch vom Proletariat reden, oder in Kurzform Pro7 sagen - aber "UNTERSCHICHT", das geht natürlich nicht. Vielleicht spräche man auch besser von den "einzigen, die noch mit der Deutschen Bahn fahren"?
Dritte Septemberwoche:
Womit wir beim nächsten Thema wären. Die Bahn erhöht mal wieder die Preise. Kein Wunder, der Service ist ja auch viel besser geworden. Konnte man neulich wieder einmal merken, als ich, als Unterschichtler getarnt, auf der Fahrt von Stuttgart nach Siegburg war. Mit Umsteigen in Mannheim. Das Umsteigen von einem Zug der Deutschen Bahn in einen anderen, das muss der geneigte Leser wissen, gehört zu den letzten echten Abenteuern, die man heute in Mitteleuropa noch erleben kann. Natürlich kann man sich im Internet oder am Schalter eine Verbindung ausdrucken lassen. Und nicht irgendeine, die Bahn ist da viel persönlicher, sie schreibt gleich "Ihre Verbindung". Das symbolisiert Besitzstand, ja, Sicherheit und Verlässlichkeit, extra für mich, fast wie die Vorspeise beim Italiener, "Signore, verkaufe isch die andere Gäste gar nisch, isse nur füre Sie". Von wegen Verlässlichkeit und individuelle Ausgestaltung, Science Fiction ist es, bei der Bahn noch mehr als beim Spagetti um die Ecke - man könnte auch von gelebter Utopie sprechen. Denn in der Geschichte der Deutschen Bahn sind nur einige wenige Fälle bekannt geworden, in denen ein so genannter "Anschlusszug" auch tatsächlich erreicht worden wäre. Denn das hat die Geschichte der Anschlusszüge irgendwie mit der weiblichen Menstruation gemeinsam, es ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Für die es übrigens nur in einem der beiden Fälle eine "Regel" gibt. Denn bei der Bahn dient der Fahrplan ja nur dazu, einen idealen Zustand zu beschreiben, von dem alle wissen, das er weder erreicht werden wird, noch seine Erreichung von den Verantwortlichen auch nur betrieben würde. Man denkt immer, dass hinter der Fahrplantafel irgendwo eine versteckte Kamera aufgebaut sein müsste, um die Gesichter der genasführten Kundschaft zu filmen. Vielleicht will Schäuble ja deswegen künftig auf allen Bahnhöfen permanent Videoaufnahmen machen?
Aber ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte: Natürlich habe auch ich meinen Anschlusszug in Mannheim nicht erreicht, weil mein Zug aus Stuttgart sich im Raum-Zeit-Kontinuum natürlich lässige zwanzig Minuten hinter der virtuellen Realität des Fahrplans bewegte. Also forderte ich beim Schaffner die den Fahrgästen bei Verspätungen von mehr einer Stunde zustehende Entschädigung ein. Er antwortete: Nein, die kann ich Ihnen nicht geben, denn durch das Verpassen Ihres Anschlusszuges haben Sie nur eine Stunde Verspätung, der nächste Zug nach Siegburg fährt genau eine Stunde später. Nur ein unerfahrener Erstnutzer der Bahn hätte sich damit zufrieden gegeben, bestand doch - empirisch betrachtet - eine weit über neunzig Prozent liegende Wahrscheinlichkeit, dass auch der nächste Zug von Mannheim nach Siegburg Verspätung haben würde. Also ließ ich mir eine Bescheinigung über die Verspätung und das Verpassen des Anschlusszuges ausstellen. Und natürlich hatte auch der nächste ICE in Richtung Siegburg Verspätung, wenn auch nur 15 lässige Minuten. Stolz schwenkte ich dessen Zugführer meine Bescheinigung unter der Nase herum und postulierte: "60 Minuten plus 15 Minuten macht 75 Minuten - her mit dem Geld!" Antwort: "Das kann ich Ihnen nicht auszahlen, da müssen Sie zum Service-Point in Siegburg". Replik: "In Siegburg gibt es keinen Service-Point, nur einen Schalter und der hat dank Ihrer Verspätung längst zu bis wir dort sind." Schlussfolgerung des Zugführers: "Dann müssense da halt morgen nochma hin!" Klar, ich wohne ja auch nur 30 Kilometer vom Bahnhof entfernt, das nenne ich Service-Mentalität. Ich sage es noch mal - es wird höchste Zeit, dass die die Preise erhöhen! Und zwar möglichst so sehr, dass sich auch der letzte Unterschichtler die Fahrkarte nicht mehr leisten kann, der Laden in die Pleite fährt und wir noch einmal ganz von vorne anfangen können.
Vierte Septemberwoche:
Was war noch im September? Na klar, das Gericht von Tampa, Florida verdient Erwähnung. Als sich zwei Anwälte nicht einigen konnten, an welchem Ort ein Zeuge einzuvernehmen sei, entschied der Richter souverän, dann sollten die beiden Rechtsverdreher das doch per "schnick, schnack, schnuck" entscheiden, dem beliebten Kinderspiel, das auch als Stein, Schere, Papier bekannt ist. Vielleicht löst man es beim nächsten Mal über eine zünftige Pokerrunde? Oder die Herren Rechtsverdreher schießen es unter der alten Eiche aus?
Über das neue Eistanz-Spektakel bei RTL sollten wir wohl auch noch reden, oder? Obwohl sich im Grunde für die Teilnehmer nicht viel ändert. Handelt es sich doch um die üblichen D-Promis, die bereits vor Jahren auf Eis gelegt worden sind und nun eben versuchen, auf demselben Eis zu gehen oder gar zu tanzen. Etwa so spannend wie die Frage, warum der Hotbutton bei den Call-in-Sendungen noch immer nach der richtigen Leitung sucht, obwohl doch so viele Zuschauer auf ebendieser Leitung stehen, indem sie glauben, dass sie durch einen Anruf bei den Call-in Nutten tatsächlich etwas gewinnen könnten. Ich gebe zu, die zu lösenden Aufgaben sind kinderleicht. Wer wäre bei der Frage nach den Komposita zu "Schwimm-" nicht auf den Schwimmwimpel, das Schwimmbesteck und den Schwimmmaßanzug gekommen? Aber warum haben die nicht auch nach dem Schwimmhubschrauber gefragt?
Bleibt die Frage nach der überflüssigen Frau des Monats. Sie ist oben schon beantwortet: Die Bahn AG!
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