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Nick Igels Kulturtagebuch vom Januar 2007 Von der schönen Landrätin und den Herren Heynckes, Kurnaz und Steini
Erste Januarwoche:
Deutschland sucht wieder einmal den Superstar. Natürlich ist der Titel unzutreffend. "Genau", werden jetzt viele sagen, "denn die Typen, die da bisher gewonnen haben, Alex Klaws, Tobi Regner und Elli-deren-Nachnamen-so-irrelevant-ist-dass-ihn-niemand-kennt, sind ja nun wirklich alles andere als Superstars." Stimmt. Deswegen verstehe ich auch, dass die Suche nun mit einer vierten Staffel fortgesetzt wird, denn irgendwann wird ja vielleicht doch noch ein Superstar zu finden sein. Vielleicht sollte man, und da stimmt der Titel der Sendung dann allerdings ganz und gar nicht, aber wirklich einmal Deutschland suchen lassen. Und nicht solche Knallchargen wie die diesjährige Jury mit dem Unvermeidlichen aus Tötensen, Metzger-Heinz und der dunkelhaarigen Uschi Obermaier für Fußgänger, die kaum einen Satz unfallfrei über die aufgespritzten Lippen bekommt.
Zweite Januarwoche:
Lieber Fernsehrat, schlaft Ihr eigentlich mal wieder? Ihr überwacht doch diese tollen Regeln, dass "Dauersterbesendung" eingeblendet werden muss, wenn wieder einmal das Video von Saddams Hinrichtung läuft. Bzw. Dauerwerbesendung, wenn die deutschen "Andersbegabten" wieder einmal versuchen, über QVC echte Edelsteinimitate zu verhökern. Im ZDF läuft aber regelmäßig eine dreistündige Dauerwerbesendung, bei der diese Einblendung fehlt. Genau, ich meine "Wetten Dass...?". Wann da zum letzten Mal ein Gast aufgetreten ist, der nicht gerade ganz "zufällig" eine neue Platte, einen neuen Film, eine neue Serie etc. zu promoten hatte, werden wohl nur Frühgeschichtsforscher klären können. Außerdem werden unter den Zuschauern Preise verlost, deren Sponsoren in aufdringlich häufiger Weise genannt werden. Plus die übliche Nummer mit den Gummibären und vieles mehr. Bei der ARD müssten dafür ganze Sportredaktionen den geklauten Lufthansalöffel abgeben.
Aus meiner Sicht ist es bei dieser Sendung mit einer Einblendung sowieso nicht mehr getan. Die gehört komplett aus dem Programm geworfen. Denn da stimmt ja gar nichts! Nicht einmal die Frau Christiansen führt die Gespräche mit ihren Gästen so stümperhaft wie Deutschlands Vorzeigeblondine Gottschalk. Inhaltsfreier Talk, witzfreie Pointen, lächerlich-operettenhafte Klamotten - da hat man Leute schon für weniger nicht aus Guantanamo zurückkommen lassen. Selten bieten die öffentlich-verächtlichen Kanäle so niveaulose Kost wie in diesem audiovisuellen Machwerk. Damit das gleich mal klar ist, überflüssige Frau des Monats ist im Januar aber höchstverdient die Gottschalkblödine.
Dritte Januarwoche:
Gerüchteweise höre ich, es liefe in Deutschland eine Handball-Weltmeisterschaft. Handball? Wasndas? Wer interessiert sich eigentlich für diesen Sport? Eigentlich ist Handball doch nichts anderes als Mannschafts-Ringen im griechisch-orthodoxen Stil. Und nach Lust und Laune pfeifen die Schiedsrichter den einen Angriff ab und lassen den anderen laufen. Was mir auch einmal jemand erklären muss: Warum klingen die Kommentatoren eigentlich alle wie Kriegsberichterstatter? Die jetzigen übertreffen ja den legendären, allzu spät verstorbenen Klaus Schwarze noch um Längen.
Richtig lustig wird es dann, wenn uns erklärt wird, die Sportart erlebe jetzt den Durchbruch und werde künftig voll im Trend liegen. Nee, ist klar! Das habe ich zum letzten Mal gehört, als die Frauen Fußball-Weltmeister geworden sind. Das hieß es auch, nun werde der Frauenfußball endlich mit dem richtigen Fußball gleichziehen. Sicher! Jeden Samstag (Sonntag? Wann spielen die eigentlich?) fiebere ich den Ergebnissen der Frauenbundesliga entgegen. Kaum ein Heimspiel von Turbine Potsdam lasse ich aus - sofern sie die Heimspiele irgendwann mal im Rheinland austragen sollten, und ich gerade nichts Besseres vorhabe, wie etwa die Briefmarkensammlung neu zu ordnen. Nee, was ist der Frauenfußball doch toll. Und über Handball redet nächstes Jahr auch keiner mehr. Hoffe ich doch sehr!
Vierte Januarwoche:
Fernandel hat einmal gesagt: "Es kann passieren was will, es wird immer einen geben, der es kommen sah." Gemeint ist, dass das Klugscheißern ex post relativ einfach ist. Da habe ich es gut, ich kann beweisen, dass ich es wirklich habe kommen sehen. In der letzten Juli-Ausgabe dieser Kolumne hatte ich notiert: "Der Herr Heynckes kommt zurück nach Gladbach. Na gut, die können für die nächste Saison schon mal das Zweitligaticket lösen." Und siehe da, der Mann hat es geschafft, den Verein in weniger als einem halben Jahr auf den vorletzten Tabellenplatz zu wirtschaften. So viel Unvermögen ist schon erstaunlich.
Ja, ja, jetzt wird es wieder heißen, ich hätte den Heynckes auf die Kieker, mit so einer Gurkentruppe wie Gladbach könne schließlich jeder Schiffbruch erleiden. Mag sein. Aber was war mit Schalke? Die spielten damals um die Meisterschaft bevor der Mann mit den roten Flecken im Gesicht das Training übernahm. Und plötzlich ging es gegen den Abstieg. Kaum war er weg, ging es wieder um die Meisterschaft. Wäre mir ja alles egal. Aber leider kommt der Name Heynckes rätselhafterweise immer wieder ins Spiel, wenn ein Bundestrainer gesucht wird. Und die Funktionärsgeronten in Frankfurt, die kriegen das hin und heuern tatsächlich irgendwann diesen Kasper an. Gut, dass man auf internationaler Ebene nicht formal absteigen kann, auch wenn es dort natürlich ebenfalls eine Zweitklassigkeit gibt.
Übrigens hatte man im Januar ja zeitweise das Gefühl, der Heynckes trainiere nebenher auch das bayerische Kabinett. Was war das denn für ein Schauspiel? Na gut, wir haben jetzt endlich begriffen, warum das Wort Ministerpräsident mit dem Präfix "Mini-" beginnt. Denn noch kleingeistiger als unser Edmund kann man wohl kaum agieren. Nun wollen die in Bayern den Bock-, nee, den Beckstein zum Gärtner machen. Auch das fällt in die Abteilung Mini, so ein albernes Klein-Klein wie den bajuwarische Erbfolgekrieg hat die Republik lange nicht mehr erlebt. Was für Scheinriesen dort agieren, sieht man daran, dass einer allein noch nicht einmal in der Lage war, den "großen" Edmund abzusägen. Da braucht es gleich zwei, die sich dann die Ämter brav teilen. Dieses gutsherrenähnliche Vorgehen brachte natürlich die bayerische Opposition in Rage. Also jetzt den Herrn Seehofer. Der hat sich den Kollegen Beckenbauer zum Vorbild genommen und leitet aus dem Umstand, das eine oder andere uneheliche Kind produziert zu haben, einen Anspruch auf Führungsämter ab.
Fünfte Januarwoche:
Anstoß für die Krise in Bayern war ja die "schöne" Landrätin. Vielleicht könnte man die auf die Transferliste setzen oder sie wenigstens für eine Weile nach Mecklenburg-Hinterwäldlern ausleihen? Denn der Ringstorff entwickelt ja schon stoibereske Attitüden. Und muss wahrscheinlich eines Tages noch aus dem Amtssessel gesprengt werden, so krallt der sich mit sämtlichen Schließmuskeln hinein.
Interessante Diskussion gab es in der Zwischenzeit auch um den Herrn Kurnaz. Da hatte unser aller Altkanzleramtsminister (auch in dem Wort kommt übrigens "mini" vor) sich wohl gedacht "Kurnaz, das fängt mit "Kur" an, den schicke ich mal zum Erholungsaufenthalt in die Karibik, nach Guantanamo." Die Diplomaten des Außenamts bemühten sich dann um die Freilassung des sympathischen Bartträgers. Na, eigentlich müsste man bei dem Urwald wohl eher von Bartschlepper sprechen - aber das nur am Rande. Kaum hatten die Amis ein Einsehen und waren sie bereit, den Mann aus dem Folterknast zu entlassen, kam Steini um die Ecke und erließ für Kurnaz ein Einreiseverbot. Was dem weitere Jahre Guantanamo einbrachte.
Heute ist Steini zum Außenminister degradiert und schwört Stein- und Beinmeier, die Amis hätten gar kein "offizielles" Auslieferungsangebot gemacht. Ja Mann, Schweinmeier, wie hätten Sie es denn gerne gehabt? Im Prägedruck, mit Goldrand, mit persönlicher Widmung für Euer Steinheiligkeit? Oder gleich öffentlich über CNN? So in dem Stil: "Wir halten da seit ein paar Jahren einen Türken aus Deutschland in unserer menschenrechtswidrigen Folterhaft. Der hat wohl gar nichts gemacht und ist auch zuende gefoltert, also wären wir eventuell bereit ihn ziehen zu lassen." Hätte der wirklich machen können, der Amerikaner.
Was war noch im Januar?
Die SPD Wiesbaden hat irgendwie vergessen ihren Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl anzumelden. Hat da auch der Heynckes seine Finger im Spiel? Oder ist das deren Art, ihren Chef abzuschießen. "Geschlossen wegen intellektueller Geschäftsaufgabe"? Nur weiter so - ich finde angesichts des Personalangebots im Übrigen auch, dass die Grünen zum Beispiel zu Bundestagswahlen gar nicht mehr antreten müssten. Claudia Roth…
Ja und dann war da noch die Sache mit Linda Burnett. Die wollte eigentlich nur im Supermarkt einkaufen und saß dann nach Beendigung der Einkäufe stundenlang auf dem Supermarktsparkplatz in ihrem Dodge, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Ein aufmerksamer Passant ging nach einer Weile besorgt auf sie zu und fragte, ob es ihr schlecht gehe. Linda erklärte, man habe auf sie geschossen und sie in den Hinterkopf getroffen. Nun müsse sie ihr Gehirn festhalten, das auszulaufen drohe. Nachdem ein Rettungswagen herbeigerufen worden war, stellte sich allerdings heraus, dass lediglich eine Packung Brotteig explodiert war - vom Geräusch her wie ein Schuss - und der Teig an den Hinterkopf unserer Linda geflogen war. Wo er sich dann wohl wie Gehirn angefühlt haben muss… Na ja, wer meint, sein Hirn im Kopf festhalten zu können, bei dem ist Hirn dann wohl auch nur noch ein rein organisch zu verstehender Begriff. So etwas geht nur in den USA. Das wäre ein klarer Fall für die überflüssige Frau des Monats gewesen, wäre da nicht der Gottschalk - bei dem man übrigens durchaus merkt, dass er seinen Wohnsitz in den USA hat.
Ach so, welche Automarken die Call-in-Nutten im Januar gesucht haben? Na Wikov, Seidl Arob, Trojan, Turbo, Protos und dann einen mit fünf Buchstaben, der mit VOL anfängt. Ganz klar: Volpe!
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