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Überflüssige Frau des Monats? Frauke Ludowig gewinnt Betroffenheitsrennen
Erste Juni-Woche:
Die BLÖD-Zeitung hatte die Meldung wieder einmal als erste: Die Ostdeutschen verbrauchen fast 30 Prozent weniger Wasser als die Westdeutschen. Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts in Karlsruhe. Ab fällt die Bezeichnung "dreckiger Ossi" damit wohl auch amtlich nicht mehr unter die Beleidigungstatbestände des Strafgesetzbuches. Wo ja die Beleidigungsdefinition immer beinhaltet, dass man eine Behauptung aufstellt, die "nicht erweislich wahr" oder "erweislich unwahr" ist. Danke, liebe Fraunhofer, dass Ihr nun den Beweis geführt habt.
Zweite Juni-Woche:
A propos dreckige Ossis - endlich war es in dieser Woche soweit, das lange avisierte Spektakel von Scheinheiligendamm begann. Mitten in der Zone, jenseits der Mauer. Mit auf dem Heiligendampfer auch die lustigen Demonstranten von Greenpeace. Also jetzt mehr auf dem Heiligenschlauchboot. Das von den Grenzschützern dann schnell mal kielgeholt wurde. Heiligendämmerung quasi. Die Greenpeacer fanden das gar nicht lustig. Blöd, wenn so etwas derart schiefgeht. Bzw. Heiligendamn! Sie wollten doch nur für die ökologisch korrekte Entsorgung des heiligenschwammigen Wortmülls demonstrieren. Dabei war unser Ede gar nicht dabei, wenn der Heiligendampf abgelassen hätte, wäre die Demo ja sogar berechtigt gewesen. Gegen das Heiligenstammeln!
Dritte Juni-Woche:
Ist ja noch in Ordnung, wenn man eine Lottogesellschaft verklagt. Weil man auch gerne gewonnen hätte, wie die Nachbarn. Zumal wenn gleich viele Nachbarn gewonnen haben. Weil es eine Art "Postleitzahlenlotto" war. Es geht vielleicht auch noch an, wenn man zur Begründung anführt, man habe durch das Nichtgewinnen emotionale Schäden erlitten. Zumal die Werbung der Lotteriegesellschaft "emotionale Erpressung" sei, weil sie an die drohende Enttäuschung erinnere, sollten die Nachbarn gewinnen und man selbst wegen Nichtteilnahme leer ausgehe. Oder dass der Gedanke an die nächste Verlosung sich nun wie eine enger werdende Schlinge um den Hals anfühle. Das alles, liebe Holländerin, die Du den Prozess gegen die Lottogesellschaft mit Recht verloren hast, geht aber gar nicht, wenn man mit Familiennamen auch noch "de Gier" heißt. Und nicht einmal ein einziges Los gekauft hat. Wie sieht es eigentlich mit dem Wasserverbrauch in den Niederlanden aus? Geht gegen Null? Dachte ich mir!
Vierte Juni-Woche:
Auch in diesem Jahr hat die Tour de France wieder einen besonderen Reiz. Nee, weniger die Frage, welcher der "dreckigen Ossis" den besten Pharmareferenten hat. Das hatten wir ja schon in den letzten zehn, fünfzehn Jahren. In diesem Jahr besteht das eigentliche Vergnügen darin, den Fernsehmoderatoren zu lauschen und akustisch zu verfolgen, wie es sie fast zerreißt. Einerseits würden sie ach so gerne so tun, als übertrügen sie tatsächlich so eine Art Sportveranstaltung. Da geht es mit ihnen auch immer wieder einmal durch und erlauben sie sich kurze bewundernde Passagen über einzelne Fahrer. Andererseits steht aber immer auch der moralinsauer erhobene Zeigefinger im Raum, bloß ständig zu relativieren und jede Glanzleistung unter Doping-Verdacht zu stellen. Ist ja auch zu peinlich, dass sich die ganze Begeisterung der letzten Jahre, das Hochjubeln der deutschen und sonstigen Stars im nachhinein als Farce entpuppt hat. Bei den Privaten würde ich ja noch denken, dass es ihnen scheißegal wäre. Etwas Betroffenheit geheuchelt, insgeheim gejubelt, dass die Scheiße erst nach Einsammeln der Werbemilliarden in den Ventilator geflogen ist und sofort fröhlich weiter geheuchelt. Aber die öffentlich-verächtlichen Sender? Die die Werbekohle eigentlich nicht bräuchten? Bei denen habe ich das Gefühl, dass sie die Tour nur noch übertragen, um ihre Moderatoren einer Art sozialpsychologischem Experiment zu unterziehen. Einfach mal testen, welcher zuerst durchknallt und in die Anstalt muss. Dabei haben die Sendeleiter nur zwei Dinge übersehen: Die sind erstens alle schon in der Anstalt. Und zweitens setzt Verfall in den Wahnsinn das vorherige Vorhandensein von Sinn und oder Verstand voraus. Der Jurist würde das Experiment insofern folgerichtig als untauglichen Versuch apostrophieren.
Überflüssige Frau des Monats? Da hätten sicher viele auf die Frau Hilton getippt. Ist nicht, die finde ich nicht mal mehr überflüssig. Überflüssig sind vielmehr die Betroffenheitsbeauftragten, die meinen über Frau Hilton berichten zu müssen. Stellvertretend für alle wird also in diesem Monat Frauke Ludowig zur überflüssigsten Frau des Landes gekürt. War lange schon fällig.
ni |
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