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Das Kulturtagebuch
Eva Herman rehabilitiert sich selbst

Erste Septemberwoche:
Die Betroffenheitsparty geht weiter! Und diesmal wird auf dem Altar der political correctness sogar ein Menschenopfer gebracht: Eva Herman! Oder auch Eva Braun, wie sie laut BLÖD-Zeitung von anderen bereits genannt wird. Superleistung das, von der BLÖD-Zeitung! Wenn man auf den Gag einer besonders gelungenen Beleidigung nicht verzichten will, sich aber um eine Verleumdungsklage herumdrücken will, beleidigt man nicht selbst, sondern "erzürnt" sich über andere - freilich anonyme bis inexistente - Beleidiger und "zitiert" diese. By the way: das ist zwar übelster Schmierenjournalismus, ich finde es aber trotzdem verwerflich, dass einige inzwischen die BLÖD-Zeitung den "völkischen Beobachter für arme Leute" nennen.

Aber zurück zu blonden Eva und unseren Medien. Die ganze Aufregung ist mir völlig unverständlich. Die Frau unterbietet mit ihrem Intelligenzquotienten doch seit Jahren selbst die tiefsten Tiefen des Marianengrabens. Bei den Nachrichten fällt das nicht so auf, die werden bei der ARD ja von anderen geschrieben und von den Sprechern nur vorgelesen. Aber bei "Herman und Tietjen" war alle zwei Wochen zu besichtigen, was die verhinderte Mutterkreuzlerin so alles auf der Pfanne hat. Nämlich nix - und jede Menge davon. Ähnlich wie Kollegin Tietjen. So dass die Sendung nie viel mehr war als die Verfilmung von betreutem Wohnen in einer norddeutschen Dorfklapse. Blonde Schlichtheit und Selbstgefälligkeit auf audiovisuelle Flaschen gezogen. So richtig deutlich wurde das, als plötzlich Beckmann für die braune Eva einsprang. Da kam die Tietjen kaum mehr zu Wort und saß wie eine Schaufensterpuppe in ihrer Sendung herum. Ja, ehrlich, die stank sogar noch gegen Beckmann ab, das muss man sich einmal vorstellen!

Das unterirdische Niveau der Moderatösen ist bei den öffentlich-verächtlichen Sendern natürlich noch lange kein Kündigungsgrund. Der NDR hat ja selbst an Alida Gundlach festgehalten. Nur wenn eine der Moderatorenparodien plötzlich den Adolf in ihr schlichtes Weltbild einbaut und auch noch darüber spricht, dann ist das natürlich keine Dämlichkeit mehr, sondern nationalsozialistische Gesinnung. Als wäre Evchen zu so etwas wie Gesinnung in der Lage. Eva Herman! Die die Reichskristallnacht für einen Galaabend des deutschen Glasbläserhandwerks hält. Und glaubt, dass Faschismus eine besondere Leidenschaft für den Fasching ist. Mensch, die blonde Eva hätte ebenso gut erklären können, wie toll es gewesen ist, dass Stalin damals Sibirien besiedelt hat und so viele Menschen dort untergebracht hat. Oder dass die chinesische Führung auf dem Tian-anmen-Platz nur in Notwehr gehandelt hat. Oder dass Florian Silbereisen privat ein wirklich netter, heterosexueller Mensch ist.

Seien wir ehrlich - wir werden wohl alle drei Hakenkreuze machen, dass wir die Eva los sind. Den Vorwurf des Nationalsozialismus sollten wir aber trotzdem nicht auf ihr sitzen lassen! Der Grat zwischen Versehen und Vorsehung ist einfach zu schmal. Es ist daher ein dringendes Anliegen dieser Kolumne, die blonde Eva zu rehabilitieren. Daher geben wir ihr hier die Gelegenheit, selbst zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Lesen Sie, was Evchen in der zweiten Septemberwoche in ihrem neuen Tagebuch "Mein Krampf" notiert hat:

Zweite Septemberwoche:
"Jetzt haben die mich wirklich rausgeworfen. Davongejagt wie einen Juden! Die wollen offenbar den totalen Krieg. Ich sei ein Nazi, meinen die. Ich muss mal nachschlagen, was das ist. Auch die Tietjen ist sauer auf mich und hat mir die Freundschaft gekündigt. Nur weil Guido Knopp jetzt einen Film über sie machen will. "Hermans Helfer", nennt er den. Stinkt ihr wohl, wenn damit amtlich wird, dass sie in unserer Sendung immer nur die zweite Geige gespielt hat.

Wie ist das alles nur passiert? Und was hätte ich besser machen können. Wahrscheinlich hätte ich einen Propagandamini…, äh, einen professionellen Pressesprecher einstellen sollen. Der hätte dann schon vermitteln können, dass ich nicht vom "Dritten Reich", sondern vom "Tittenreich" geschwärmt habe, also von der Mutterbrust. Ich verstehe die ganze Aufregung einfach nicht. Man muss doch seine Träume noch leben und über sie reden dürfen. Sonst werden wir noch zum Volk ohne Traum!

Und jetzt? Jetzt wendet das Publikum seine entartete Gunst doch tatsächlich dem Beckmann zu, diesem Magermilchtarzan! Dessen Machtergreifung ist wohl kaum noch aufzuhalten. Nee, da mache ich drei Mutterkreuze, dass ich aus dem Laden endlich raus bin. Bei der Tagesschau war es am Schlimmsten. Die Sprecher und die Wetterfrösche sind ja allesamt homosexuell. Das hätte es Führer…, äh, früher nicht gegeben. Die fanden mich längst nicht so toll, wie es mir zusteht. Das war ja der eigentliche Grund, weshalb ich gegen berufstätige Frauen war - die himmlern mich einfach nicht an.

Was wird mir die Zukunft bringen? Soll ich auf das alte Angebot von Philipp Jenninger und Hertha Däubler zurückkommen, als Pressesprecherin für die beiden zu arbeiten? Oder nehme ich den Job als Geschäftsführerin bei der Riefenstahl-Stiftung an. Vielleicht kaufe ich auch diesen netten Berghof bei Berchtesgaden, den mir Holger Apfel zum Kauf angeboten hat. Das Bergwandern war ja schon immer eine Leidenschaft von mir. Ich bräuchte dann nur noch einen guten Führer, ich verirre mich doch immer so schnell."

P.S. Evchen hat es offenbar noch nicht ganz realisiert, dass sie bei der ARD wirklich draußen ist. Auf ihrer Homepage eva-herman.de tut sie noch immer so, als wäre sie bei NDR und WDR beschäftigt.


Es war nicht alles schlecht
Albert Speer hätte diesen Platz sicher schöner bebauen lassen!


Dritte Septemberwoche:
Wo wir gerade von halbgaren Frauen sprechen, fällt mir ein: Auch Gabriele Pauli hat wieder einmal den Mund aufgemacht. Und wie das bei Weibern dieser Preisklasse so ist - wenn man nicht ganz schnell einen Knebel reinschiebt, sprudelt denen der Unsinn aus der einmal geöffneten Kauleiste wie ein Gebirgsbach am Obersalzberg. Um die Pauli, das ist für uns Medienwissenschaftler ganz interessant, tobt ja seit zwei Wochen ein Hysterikerstreit. Die eine Denkschule behauptet, sie sei mittlerweile dem sogenannten "Osthoffismus" anheim gefallen. Der Begriff geht auf Susanne Osthoff zurück und beschreibt das Phänomen, dass ein einstmals vernunftbegabter Mensch schlagartig die Gabe verliert, in sinnvollen Zusammenhängen zu sprechen. Die andere Denkschule diagnostiziert "Pothismus", auch bekannt als "Veronisierung", d.h. den zugunsten einer Selbstinthronisierung als "Stilikone" betriebenen ganz bewussten Verzicht, auch nur ansatzweise sinnvolle Inhalte transportieren zu wollen. Der Hauptunterschied zwischen beiden Syndromen ist der, dass beim Pothismus absichtlich Blödsinn geredet wird, während beim Osthoffismus lediglich von Unvermögen ausgegangen werden muss.

Na, eigentlich egal, wie die Anamnese ausfällt. Fest steht nur, dass Gabi Pauli mit ihrem familienpolitischen Programm nicht nur Hermans Evi in den Rücken fällt, sondern offensichtlich sogar die Annäherung an die Grünen sucht. Mit dem "Amorausstieg", also der Begrenzung der Restlaufzeit von Ehen auf sieben Jahre, dürfte sie aber trotzdem ein Eigentor geschossen haben. Denn sieben Jahre sind zwar rein zufällig genau die Zeitspanne, die auch die beiden Pauli-Ehen jeweils gehalten haben, für viele Wähler gerade aus dem linken Spektrum ist aber nicht ersichtlich, warum Beziehungen plötzlich so lange dauern sollten.

Vierte Septemberwoche:
In der vierten Septemberwoche ging dann richtig der Punk ab!

Zunächst kam eine bemerkenswerte Meldung aus Österreich über die Ticker - offenbar ist dort trotz des andauernden geistigen Almabtriebs endlich begriffen worden, dass man von einem Zufallstreffer in Cordoba fußballerisch nun wirklich langsam nicht mehr zehren kann. Nach Niederlagen unter anderem gegen die Färöer-Inseln haben die Fans ein Einsehen und wollen uns das Gekicke ihrer Nationalstolperer bei der Europameisterschaft ersparen. Hier kann man eine Petition für den freiwilligen Verzicht Österreichs auf die EM-Teilnahme unterzeichnen.

Interessantes auch von der SED, äh, PDS, äh NSDA-Lafopartei, oder wie die heißen. Die beklagen doch tatsächlich, die angestrebte Bahnprivatisierung sei eine Enteignung des Volkes. Gut, sicher, die Bahn hatte und hat etwas von einem Volkseigenen Betrieb. Aber ich als Volk wäre doch froh, wenn ich diesen Betrieb los bin! Sollen doch die künftigen Aktionäre sehen wo sie bleiben. Genügend depperte Abnehmer für die Aktien gibt es doch, siehe Telekom. Es braucht nur einen abgehalfterten DEFA-Schauspieler als Werbeträger, dessen Herkunft aus der Zone ausreichenden Börsenunverstand garantiert. "Die Bahn fährt an die Börse und da fahre ich mit!" Vielleicht privatisieren wir auch gleich noch den gesamten Bergbau und sparen die Subventionen ein. Wäre auch wieder etwas für Manne Krug: "Die Rheinbraun fährt in die Grube, und da fahre ich mit!"

Gruseliges gibt es vom MDR. Die hatten Achim Menzel doch eigentlich schon mindestens zwei Meter unter der Grasnarbe ihres Telefriedhofs verscharrt. Doch plötzlich ist der Alte - oder ein Wiedergänger? - zurück an Deck und "moderiert" den "Kahn der guten Laune", so eine Art Unterhaltungstitanic des mitteldämlichen Rundfunks. By the way, Achim: Es ist schon per se überaus rücksichtsvoll, wenn uns ein Großteil der musikalischen Darbietungen durch das Überblenden mit "gespielten Witzen" à la Hallervorden erspart bleibt. Noch besser finde ich aber, dass Ihr die Hallervordensche Pointenfreiheit nicht nur übernommen, sondern sogar noch weiter perfektioniert habt. Bei Euch weiß man nicht einmal mehr, wo oder was die Pointe hätte sein sollen. Ehrlich, Achim, Eure Witze sind flacher als die Frauen aus der Brustkrebsstation.

Bliebe noch zu klären, warum der Herr Jung plötzlich Flugzeuge im Bauch hat. Oder wer Rüdiger Hoffmann erzählt hat, dass der singen könne. Oder warum es im dritten Teil der Bourne-Filmtrilogie nicht nur einen "director" und einen "assistant director", sondern auch noch einen "second assistant director", mehrere "second second assistant directors" sowie eine Reihe "other second second assistant directors" gibt. Der Film ist seltsamerweise trotzdem ziemlich gut.

Die Sensation der Woche stammt aber aus München! Ede Stoiber, bekannt als Bärentöter und Bahnhöfeverschieber, hat einen neuen Job fest im Visier. Das wurde am Rande der Sendung Maybritt Illner deutlich. Darin erklärte Stoiber, die Arbeit als "Mister President" sei doch eigentlich der schönste Job der Welt. Die politische Szene in Berlin und München hatte ja lange gerätselt, was Stoiber zum Rückzug aus der Bayerischen Staatsregierung bewegt haben könnte und ihn gar veranlasst hatte, die Angebote auszuschlagen, Präsident der EU-Kommission oder Bundespräsident zu werden. Nun war mit einem Schlag deutlich, Stoibers Rückzug koinzidiert nicht zufällig mit dem Beginn des US-amerikanischen Vorwahlkampfes. Der Mann will ins Weiße Haus! Ein Sprecher der bayerischen Staatsregierung versuchte zwar im Nachhinein noch zu beschwichtigen, Stoiber habe gar nicht "Mister President" sagen wollen, sondern nur - wie üblich - das Wort "Ministerpräsident" in eine Kurzfassung zusammengehaspelt. Doch kann dies getrost als wenig glaubwürdiger Versuch gewertet werden, die bereits herausgelassene Katze wieder in den Sack zu holen.

Überflüssige Frau des Monats:
Eigentlich müsste Gülcan im September überflüssige Frau des Monats werden. Zum einen weil sie es uns leicht macht, bei ihr einen Fall von Osthoffismus zu diagnostizieren - Pothismus ist definitiv ausgeschlossen. Zum anderen weil sie bei ihrer Hochzeit einen Barolo von Gaja, unter Brüdern für 200 Euro zu haben und jeden Cent davon mehr als wert, zum Entsetzen ihres Mannes einfach in die Bowle gekippt hat. In vielen Ländern steht auf so etwas Gefängnis! Mit Recht!

Trotzdem schafft Gülcan es aber nur auf Platz zwei. Denn so sehr sie sich auch anstrengt, sie kann nicht so nerven wie Maddie! Da fahren sämtliche deutschen Privatsender seit Monaten Betroffenheitskarussell. Egal, ob in Afrika jeden Tag ein paar Tausend Negermädels verhungern, das geht uns doch traditionell am Arsch vorbei, da brauchen wir keine wertvolle Sendezeit für zu vergeuden. Jedenfalls nicht außerhalb des weihnachtlichen Spendenmarathons und Gutmenschenhypes. Wenn aber das Töchterlein von ein paar Britenproleten verschwindet, dann ist Alarm. Auch wenn die Eltern ihren Ableger vielleicht selbst um die Ecke geleitet haben und Maddie längst irgendwo im portugiesischen Mutterboden mit den Maden spielt. Völlig egal - wir lassen keine Gelegenheit aus, die Betroffenheitsorgel zu drehen und uns in widerwärtigstem Sozialspannertum zu wälzen. Überflüssige Frau des Monats ist daher Maddie. Zusammen mit ihren Eltern ernenne ich sie hiermit zugleich zur überflüssigen Familie des Jahres!

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