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Schatten der Vergangenheit
Der dicke Helmut lässt grüßen

Erste Novemberwoche:
Vielleicht beginne ich die Kolumne in diesem Monat einmal mit einem kleinen Quiz? Neulich schalte ich doch das Fernsehen ein und sehe, wie ein leicht deppert in die Landschaft blickender, erkennbar "andersbegabter" Landwirt eine wenig attraktive Frau über seine Ländereien kutschiert, um ihr seinen Hof zu zeigen. Na, welche Sendung könnte das sein? Ruft mich an! Elf Leitungen sind freigeschaltet und es gibt drei Becken voller Geld zu gewinnen!

Auf "Bauer sucht Frau?" werden jetzt wahrscheinlich fünfundneunzig Prozent der geneigten Leser tippen.

Die restlichen fünf Prozent haben mit mir das "heute journal" gesehen - und den Bericht, wie George Dabbeljuh mit Angie im Geländewagen über seine Ranch bretterte. Spätere Heurat, äh Heirat nicht ausgeschlossen.
Was soll überhaupt diese ganze Nummer mit den frauensuchenden Bäuerchen? Erst sucht auf RTL der Bauer eine Frau, dann bei Gottschalk der Becker, also jetzt Boris. Der könnte doch vielleicht auch den Bauern heiraten und dann als Hofnarr arbeiten? Also ehrlich, man kann ja kaum dagegen ansaufen, was so alle geboten wird - auch wenn es bei Gottschalk einer versucht hat, mit Wurstwasser, gegen seinen Hund. Genial! Kann mal der Herr Genscher auf meinen Balkon kommen und mir die Ausreise gestatten?

Zweite Novemberwoche:
Inzwischen befasst sich die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig mit der Sache "Gebauer sucht Frau". Also mit der gewerbsmäßigen Zuhälterei des VW-Vorstands für seinen Betriebsrat. Der sich für nen Apple und nen I-Pod hat kaufen lassen. Nun müssen zum Glück nicht die Stripperinnen, sondern die Stripp(erinn)enzieher vor den Richter. Mit anderen Worten - die Haupttäter von Hartz Sex werden endlich ihrer gerechten Strafe zugeführt. Bessere Geschichten schreibt nicht einmal das Unterschichtenfernsehen bei Babs Salesch.

A propos Unterschichtenfernsehen: Ist noch jemandem aufgefallen, dass die runderneuerte Birgit Schrowange von RTL Extra "das Magazyn" inzwischen aussieht wie Mireille Matthieu im Endstadium? Die alte RTL-Stoßstange ist dem "Spatz von Paris" mit der Topffrisur geradezu aus dem Gesäß geschnitten!

Dritte Novemberwoche:
Alles ganz nett, die Höhepunkte der letzten Wochen setzt aber natürlich wieder einmal die Politik. Immer wenn man denkt, er sei nun endlich in der Versenkung verschwunden, exhumiert irgendeiner wieder den dicken Helmut. Diesmal hat der kuschlige Altkanzler aber selber den Anlass gesetzt, indem er den nächsten Band seiner "Erinnerungen" veröffentlichte. Findet das außer mir eigentlich niemand seltsam, dass ausgerechnet "black-out-Birne", der sich auf Parteispenden, Flickskandal und Ähnliches nicht einmal vor Gericht oder Untersuchungsausschuss hat besinnen können, nun plötzlich behauptet, er hätte "Erinnerungen"?

Trotzdem viel zu unverschämt fand ich allerdings den Zonenzausel Thierse, der allen Ernstes feststellte, der dicke Helmut hätte ja nun zwar vielleicht so gerade noch das Parlament, aber wenigstens nicht auch noch seine Hannelore im Dunkeln lassen dürfen.

Geschmacklos?

Eigentlich schon, aber unser Altkanzler ist beim Austeilen ja selbst kein Kind von Traurigkeit...
Beim Fernsehbeichtiger Kerner erklärte Kohl ganz altersnaseweis wenngleich in unverkennbar kohlesker Wortwahl "als Bill Clinton den Vorgang mit dieser Dame hatte, habe ich ihm immer wieder gesagt - Du musst stehen bleiben".

Wahrscheinlich dachte er sich - besser einen stehen als einen sitzen haben. Weswegen er ergänzte, "der Schäuble als Kanzler, da wusste man ja, das könnte schwierig sein, denn der kann ja keine Front abschreiten." Gemeint war wohl eher eine Parade als eine Front, aber doch tröstlich, dass unser Helmut von der mitfühlenden Fraktion ist.

Ganz zum Schluss setzte der promovierte Historiker Dr. Kohl dann noch einen drauf. Es ging um die Frage, ob nicht der 9. November der bessere Nationalfeiertag gewesen wäre. Der dicke Helmut verneinte das und postulierte, den Nationalfeiertag müsse man mit etwas Positivem verbinden, so wie andere Völker das auch täten. Selbst die Franzosen, obwohl die ja bekanntlich am 14. Juli ihren König umgebracht hätten.
Nun ist Louis XVI zwar nicht beim Sturm auf die Bastille, sondern erst am 21. Januar 1793 enthauptet worden, aber das ist unter den Historikern wahrscheinlich ähnlich nebensächlich wie der Unterschied zwischen "Brutto" und "Netto" unter Physikerinnen.

Vierte Novemberwoche:
Immerhin stellt der dicke Helmut die meisten heutigen Politiker noch lässig in seinen ausladenden Schatten. Claudia Roth zum Beispiel. Da denke ich ja immer, die sei ein Polit-Tamagochi: Wenn man sie regelmäßig füttert, weint sie. Ganz ähnlich wie früher Frau Lautheuler-Schnarrenberger von der FDP.

Das aktuelle Führungspersonal der SPD ist dem dicken Helmut aber dann doch deutlich über. Deren Dialektik sprengt selbst die Dimensionen des Pfälzischen: Der Aufschwung ist nicht der großen Koalition, sondern der Agenda 2010 des Nichtganzsoalt-Kanzlers Schröder zu verdanken. Und deswegen wird genau diese Agenda 2010 jetzt von den neuen SPD-Granden wieder platt gemacht und werden die Reformen wieder kassiert. Ab sofort also wieder dreißig Jahre lang Ahnungslosengeld 1 für die Ossis.

Auch Bundesübergewichtsminister Gabriel haut in die gleiche Kerbe, wenn er in Bali und anderswo gegen global warming kämpft - immer nach dem Motto: Stoppt den Auftau Ost! Die schockgefrusteten Zonis werden schon jemanden finden, an dem sie es auslassen können.

Zum Beispiel die "Angehörigen einer örtlich mobilen ethnischen Minderheit", wie bei Kuddel Beck in Rheinland-Pfalz die Zigeuner neuerdings politisch korrekt heißen. Ich bin nicht sicher ob mir diese political correctness in höchster Übersteigerung wirklich lieber ist als die Dummfaselei unserer Eva mit ihrem Hermansdenkmal, also jetzt der Autobahn! Auf der die mobilen ethnischen Minderheiten ja herumtuckern könnten, wenn Autobahn denn "ginge".

Überflüssige Frau des Monats wird aber trotzdem nicht die Eva, sondern die Transe von Tokio Hotel. Die erst kürzlich wieder betont hat, auf gar keinen Fall schwul zu sein und das nur einmal "im Suff und zur Provokation" ins Online-Tagebuch geschrieben zu haben. Ist klar - und Ricky Martin wollte seinen Friseur auch nur provozieren als er mit ihm in die Kiste stieg. Ricky Martin, Mensch! Wenn der nicht hetero ist, ist es Elton John auch nicht.

ni