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Das Kulturtagebuch
Tiefensee, Ballack, Frau Connor und kein Ende

Wie das Leben so spielt - kaum hat sich Knut Beck, der fröhliche Tanzbär der SPD, wieder an den politischen Südpol zurückgezogen, stirbt in Berlin schon sein Pfleger. Am lautesten feierte den Rückzug des tapsigen SPD-Frontmanns in seinen persönlichen Schmollwinkel die Vizevorsitzende Andrea Nahles, die im tiefausgeschnittenen Dirndl auf dem Oktoberfest herumgeisterte. Womit dann wieder einmal klar wurde, woher der Begriff "Niedertracht" etymologisch eigentlich kommt.

Inzwischen macht Peter Zwegat einer Überstunde nach der anderen. Eben noch bei der Bayerischen Landesbank, hat er jetzt seinen bisher schwersten Fall übernommen, die KfW. Deren Banker ja der neuen Bundespräsidentenkandidat der Linkspartei am liebsten verhaften lassen würde. Interessantes Verständnis vom Präsidentenamt - sicherlich noch aus der frühkindlichen Zonenprägung. Dort konnte die Staatsführung ja schließlich auch ohne großes Trara verhaften, wen immer sie festsetzen wollte. Irgendwie weiß man nicht recht, ob der ehemalige Tatort-Kommissar sich vor lauter Demenz schon wirklich für einen Polizisten hält, oder ob das nur die letzten Zuckungen des guten alten DDR-Antikapitalismus in einem von Lafo und Co. schamlos verheizten Spaßkandidaten sind. Jedenfalls bestätigt sich hier wieder einmal die gute alte Volksweisheit: Der Ehrlicher ist der Dumme! Das Schlimme ist: Auch als Tatortkommissar war der nicht besser…

Nun kann man nicht wirklich behaupten, dass die SPD personell stärker aufgestellt wäre als die Schwesterpartei aus dem Osten. Den Klopper des Monats hat diesmal der Kollege Tiefensee abgelassen, das alte Brackwasser. Da hält doch diese Type, die mit ihrer Glatze und dem eingefrorenen Gesichtsausdruck immer so aussieht wie ein Dildo für Elefantenkühe, ihr verkrampftes Ponem in die Kameralinsen der Republik und verkündet, da sich noch immer viel zu viele Menschen im Straßenverkehr zu Tode führen, müssten dringend die Bußgelder erhöht werden. Nur einen Tag später hatte der Haiderjörgl seinen großen Auftritt am Alleebaum. Oder sollte man Abtritt sagen. Und machte deutlich, dass eine hohe Zahl von Verkehrstoten nicht immer nur negativ sein muss. Also, Tiefensee, Du Flachpfütze, runter mit den Bußgeldern, vor allem in den neuen Ländern, wo die Nazis und der Sodann wohnen!

Kurz danach dann gleich die nächste Glanztat unseres gloriosen Verkehrsminister: Da lässt der doch glatt zu, dass unser Stationsvorsteher Mehdorn sich neben seinem Jahresgehalt von lächerlichen 700.000 Euro noch eine kleine Erfolgsprämie von 3,5 Mio. Euro genehmigt. Die Medien haben es mit doch schon etwas kritischem Unterton aufgenommen. Da hat das Mehdörnchen noch ein wenig auf seine Vorsteherdrüse gedrückt, einige Krokodilstränchen herausgequetscht und festgestellt, dass das Gehalt "am unteren Ende des Üblichen für den Chef eines Unternehmens dieser Größe liegt". Mag stimmen oder auch nicht, fest steht aber doch wohl auch, dass Mehdorns Performance in der Unternehmensleitung noch weit unterhalb des unteren Endes des Üblichen liegt. Allein im Oktober muss der komplette Bahnvorstand so oft an seinem Joint gezogen haben, dass die Kunden kaum noch einen Zug nehmen konnten. Insbesondere keinen ICE. Da haben die Achsen des Bösen wieder einmal zugeschlagen. Dabei hatte das Mehdörnchen erst kürzlich noch geprahlt, wie toll gerade die ICEs mit Neigetechnik funktionierten. Neigetechnik meint dabei aber wohl nur, dass die Technik dieser Züge die Geduld der Kunden am schnellsten zur Neige gehen lässt. Weil da nun wirklich gar nichts mehr funktioniert. Ein Grund mehr, Tiefensee, den Mehdorn nicht auch noch zum Mehrdorn zu machen.

Und, Tiefensee, wenn wir schon dabei sind: Du trägst als Verkehrsminister auch die Schuld daran, dass sich der gute alte Hans-Werner Sinn entschuldigen musste. Den Sinn, den kennen die Älteren noch. Das war 1998/99 bei Oskars kurzem Gastspiel im Finanzministerium der einzige Wissenschaftler, der an die verschwurbelten postkeynesianischen Volkswirtschaftstheorien des damaligen SPD-Vorsitzenden glaubte. Dafür hat er sich allerdings nie entschuldigt. Nach Canossa musste er erst jetzt. Weil er meinte, Deutschland gleiche dem dritten Reich, nachdem die Banker inzwischen schon verfolgt würden wie einst die Juden. Daran ist richtig, dass der dumme Ehrlicher die Banker ja tatsächlich ins KZ stecken will, oder nach Bautzen oder Stammheim. Sein Hinkebein hat der Vergleich allerdings trotzdem, denn im Dritten Reich waren ja wenigstens die Autobahnen noch in gutem Zustand. Für die allerdings inzwischen der Herr Tiefenschlaf im Verkehrsministerium zuständig ist. Mit dem bekannten Ergebnis: Die Republik ist überpflastert mit Baustellen, die mindestens zehn Kilometer lang sind und sich bei guter Pflege lässig zehn Jahre an derselben Stelle halten können.

A propos Entschuldigung: Die hat auch der Herr Ballack ablassen müssen. Auch er im Zusammenhang mit der Bankenkrise. Also jetzt der Bankenkrise bei der Nationalmannschaft. Wo solche Weltstars wie Frings einfach auf die lange Bank abgeschoben werden. Als guter Ossi hätte der Ballack eigentlich vorschlagen müssen, den Bankmanager Löw verhaften zu lassen. Das hat er sich nicht getraut, also war auch hier eine Entschuldigung fällig. Bei Staatsratsvorsitzenden Zwanziger, nehme ich an. Obwohl der seit der Euro-Einführung eigentlich nur noch Zehner heißen dürfte.

Und weil im Fernsehen dem dummen Ehrlicher und Knallchargen wie Tiefensee und Ballack so viel Sendezeit gewidmet wird, hat der Fernsehgreis beim Fernsehpreis mal richtig auf die Kacke gehauen. Zelle Reich-Ranicki platzte der Kragen. Dass bei Bauer sucht Frau ("Ich will ein Rind von Dir!") Typen vom Intellekt eines Peter Sodann fast wie im Zoo ausgestellt werden, dass es noch immer Menschen gibt, die Helge Schneider für einen Komiker halten, dass wochenlang berichtet wird, wie "Sarah and Mark crazy im Puff" auf ihre Scheidung hinarbeiten, das alles war dem alten Zelle dann doch zuviel. Zelle, ich sags Dir, die müsste man alle verhaften! Frag den Ehrlicher!

Überflüssige Frau des Monats aus gegebenem Anlass wieder einmal Sarah Connor, unsere Delmenhorster Dorfscheune mit dem Silberblick. Jetzt, wo es spannend wird, und die Ehe mit Mark Terenzi endlich in den Teich geht, erwarte ich schon, dass Pro7 auf die Forderung reagiert, die ich an dieser Stelle schon vor drei Jahren aufgestellt hatte, und uns mindestens ein halbes Jahr lang eine große Scheidungssoap um die Ohren sendet. Wer bekommt zum Beispiel den kleinen gemeinsamen Tyler? Welche Geisterbahn ersteigert das Ölbild des nackten Mark? Wem werden die Tattoos zugesprochen? Wird Frank, der Wedding-Planner, auch zum Divorce-Planner? Fragen über Fragen…

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