"Wein oder Nicht-Wein..."

Kulturpolitik auf neuen Wegen


Aufgrund der knappen Kassen der öffentlichen Hände geht es der Kultur in Deutschland immer schlechter. Deshalb sinnt man nach neuen Wegen, wie Gelder aus Industrie und Werbung beschafft werden können. Eine Vorreiterrolle übernahmen jetzt die Münchener Kammerspiele. Titel und Texte klassischer Bühnenwerke werden einfach umgeschrieben. Im „Faust“ von J.W. Goethe heisst es in Zukunft: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die steckt in Schlunds Karottensaft!“ oder „Darf ich’s wagen, Sie zu fragen: Wolln’s einen Bacardi in den Magen?“ Im Stück „Minna von Barnhelm“ hört sich das folgendermassen an: auf die Frage: „Wie spät ist’s, Gräfin Lauterbach?“ antowortet diese: „Auf meiner Seiko ist’s halb Zwölf!“ Die Shakespeare-Stücke „Romeo und Julia“ und „Macbeth“ werden in „Alfa und Romeo“ und „Macintosh“ umbenannt. Wenn Julia meint: „Ist’s nicht die Lerche, die da singt?“, entgegnet Romeo: „Nö, das das ist meine HIFI-Anlage von Bang&Olufsen mit 200 Watt-Musikleistung und zehnfach CD-Wechsler, die ich für sage und schreibe 900 Märker beim Media-Markt erstanden habe!“ Aber auch bei den Kostümen tut sich was: die Darsteller des neuen Stückes mit Harald Juhnke werden komplett von Karl Lagerbier eingekleidet. Die Getränke liefert „Jacques Weindepot“. Da will natürlich auch die Oper nicht zurückstehen: „Reich mir die Hand, mein Leben, iss eine Nudel mit mir!“ hat eine bekannte Spaghettifirma für den wie es jetzt heisst - „Barbier von Barilla“ gedichtet. Manche Anbieter des Kulturbetriebes überlegen sich darüberhinaus, wie ihre Produkte wirkungsvoller an den Mann/die Frau gebracht werden können. So empfielt der Heyne-Verlag, die Werke des bekanntesten deutschen Schriftstellers mit folgenden Worten anzupreisen: „Kauf mir ein Buch von Simmel ab, sonst schneid ich Dir den P........ ab!“ Dieser Slogan gilt allerdings nur für männliche Kunden, soll aber die Verkaufszahlen schon beträchtlich gesteigert haben.

hs

Da lachen selbst die Hühner

Bauernminister Funke


Der Bonner Regierungswechsel hat bei Deutschlands Satirikern eine tiefe Ratlosigkeit ausgelöst, die bis zum heutigen Tage anhält. War man vordem reichlich mit Personen gesegnet, die zum Opfer des Gespötts gemacht werden konnten, scheint sich in den rotgrünen Parteien niemand für eine solche Rolle zu eignen. Anzügliche Bemerkungen über das Hobby des radelnden Rudolf Scharping reichen auf Dauer einfach nicht aus. Jetzt aber scheint sich die alte Satirikerweisheit „Wenn Du denkst, jetzt geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Dummie her“ doch wieder zu bewahrheiten. Erster Kandidat: der neue Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke ( SPD ). Nach eigenem Bekunden ist der ehemalige Landwirt nämlich ein Freund der volksnahen Nicht-ganz-Dicht-Kunst, mit der er einerseits einschlägige Geselligkeiten aufzuheitern versteht und andererseits Probleme, die den Mann von der Strasse ( bzw. aus Stall und Feld ) bewegen, auf den Punkt bringt. In diesem Sinne versuchte er kürzlich den Verkauf einheimischer Molkereiprodukte mit dem Satz zu befördern:
“Oldenburger Markenbutter hilft Dir immer auf die Mutter!“
Doch nicht nur Kommentare zu speziellen Fragen der Landwirtschaft, sondern auch zur allgemeinen Lebenshilfe hat der Minister auf Lager:
"Frauen muss man wie Spargel behandeln:
am Kopf anfassen und dann nach unten streichen!"
Solche Sätze lassen das Herz des Satirikers besonders dann höher schlagen, wenn sie nicht nur gelegentliche Ausrutscher darstellen, sondern aus dem Fundament einer Persönlichkeit stammen: „ So ist er halt!“ ( Funkes Ehefrau ). Damit hat sich Funke als erster Anwärter für die die Nachfolge des Peter-Hintze-Preises empfohlen. Untermauert wird diese Anwartschaft durch das Notizbuch des Ministers, das HEISS&FETTIG in einer Nacht&Nebelaktion aus dem Schreibtisch des Ministers entweden konnte. Darin berücksichtigt der Minister, dass er fortan für alle deutschen Länder zuständig ist:
"Willst mit der Magd Du morgen pennen,
iss heute Fleisch von Bayerns Hennen!"
Aber auch die Zukunftsfragen der Landwirtschaft werden zum Gegenstand der Poesie:
" Will der Bauer Subventionen,
muss er seine Schafe clonen!"
Darüberhinaus kriegt der sogenannte "kritische Verbraucher" sein Fett weg:
"Ausser Genen in dem Mais,
kauft der Kunde jeden Scheiss!"
HEISS&FETTIG meint: Da wird noch einiges auf uns zukommen...


hs

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