Nach Abschluß der Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo fasste Außenminister Fischer gegenüber Heiss&Fettig exklusiv seine Erfahrungen und Eindrücke wie folgt zusammen:
„Also, es waren ja meine ersten ernsthaften Verhandlungen auf internationalem Parkett und ich muss sagen: ich war beeindruckt! Die Verhandlungen über die politischen Inhalte waren ja schon am ersten Tag gegessen, aber dann ging es erst richtig los. Wir hatten schon alle unsere Kugelschreiber gezückt, um die Abschlußdokumente zu unterzeichnen, als der serbische Verhandlungsführer auf einmal eine Kiste Champagner der Marke „Taittinger“ forderte, und zwar „ ein bischen plötzlich!“. Andernfalls würde er sofort abreisen. Obwohl es keinen Umstand machte, die Kiste aus dem Vorratslager zu besorgen, forderte der kosovo-albanische Verhandlungsführer mit der Begründung: „Man gönnt sich ja sonst nichts“ im Gegenzug zwei Kisten französischen Rotweins ( „Chateau Margeaux, Jahrgang 1934“ ) plus zwei Dosen Gänseleberpaste mit schwarzen Trüffeln. Kaum waren auch diese auf dem Tisch, wollte der Serbe zusätzlich 300 freilaufende Hühner aus der Region Bresse sehen - „entbeint und ausgenommen“, wie er ausdrücklich betonte. Als der herbeizitierte Koch durchblicken liess, dass es mindestens 24 Stunden dauern würde, bis man die Tiere herbeigetrieben hätte, wurde die ganze Angelegenheit zunächst einmal vertagt. Der Öffentlichkeit teilte man unterdessen mit, daß die Albaner weiter auf ihrer territoralen Unabhängigkeit bestünden und die Serben dies nicht akzeptieren würden. Als die Hühner weder an nächsten noch am übernächsten Tag eingetroffen waren, forderten die Albaner vorsorglich schon mal 1000 Dutzend Austern aus der Normandie, falls der Serbe die Hühner doch noch erhalten sollte. Angesichts dieser Unverschämtheit platzte Madeline Albright der Kragen: falls die Albaner nicht auf 900 Dutzend Austern und die Serben auf 200 Hühner heruntergingen, würde sie umgehend 2000 Kisten Whisky aus Kentucky ( „Jim Beam“ ) durch Natotransporter über dem Kosovo abwerfen lassen. Diese Drohung brachte die Parteien endlich zur Besinnung: man einigte sich darauf, sich zunächst einmal nicht zu einigen, sondern sich zwecks Einigung in zwei Wochen wieder zu treffen - „vorausgesetzt die Hühner sind dann da“, wie der Serbe nochmals betonte. Außenminister Fischer fazitmässig zu Heiss&Fettig: „Ich hatte mir zwar immer vorgestellt, daß es in der Außenpolitk zugeht wie bei Hempels unterm Bett - daß es aber wirklich so ist, habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht träumen lassen!“
hs
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