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Jetzt geht es Schlag auf Schlag: nach den Vorwürfen, gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, gegen seinen Amtseid und gegen das Parteiengesetz verstossen zu haben, ermitteln jetzt bereits zwei Staatsanwaltschaften gegen den Ex-Bundeskanzler weger Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung. Wie es heisst, könnte Helmut Kohl im Falle einer Veruteilung noch vor Weihnachten in den Knast einziehen, um seine Strafe ab - bzw. "auszusitzen". Für diesen Fall haben sich die "Knastbrüder" Krenz und Mielke übrigens spontan bereit erklärt, eine Pritsche in ihrer Zelle für Kohl freizumachen.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Noch hofft Parteichef Schäuble, durch die gebetsmühlenartige Wiederholung des Satzes: "Helmut Kohl ist und bleibt der Kanzler der deutschen Einheit - gestern, heute und in Ewigkeit. Amen." das Schlimmste zu verhindern.
Parallel dazu soll jedoch die innerparteiliche Aufklärung des Skandals vorangetrieben werden. Dies ist auch bitter nötig, nachdem der Kohlvertraute Weyrauch in der "BILD"-Zeitung erklärt hatte, er sei zwar regelmässig wöchentlich in die Schweiz gefahren, um sich mit dem Waffenhändler Schreiber zu treffen, könne sich aber nicht mehr erinnern, was er dort eigentlich gewollt habe. Die "BILD"-Zeitung will übrigens auch weiterhin die Öffentlichkeit mit den lustigsten Zitaten aus den Vernehmungsprotokollen auf dem Laufenden (unter-)halten.
Die deutschen Wählerinnen und Wähler lassen sich allerdings durch den ganzen Parteispendenskandal nicht beirren. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden nach wie vor 47% CDU wählen. Im Volk geniesst Kohl nämlich grosse Bewunderung für die Rafinesse, mit dem es ihm gelang, jede Menge Knete locker zu machen und sie an den Gesetzen vorbei für eigene Interessen einzusetzen. Viele täten das ebenfalls sehr gern, haben allerdings nur selten das Glück, einen Waffenhändler in ihrem weiteren Bekanntenkreis zu haben. Häme kommt in diesem Zusammenhang einmal mehr von der bayerischen Schwesterpartei CSU: Kohls verstorbener Duz-Freund Franz-Josef Strauss hatte nämlich früher ebenfalls erkleckliche Geldsummen an Land gezogen, sich dabei aber nicht erwischen lassen. Dafür erhielt Strauss bei Wahlen regelmässig über 55% der abgegebenen Stimmen...
hs
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