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Das WM-Tagebuch - Woche 2
Was ist eigentlich mit der deutschen Mannschaft los

Zweite WM-Woche:
Was ist eigentlich mit der deutschen Mannschaft los? Wer hat denen beigebracht, wie man einen Ball stoppt? Es ist ja fast schon beängstigend, was da in den letzten Spielen zu sehen war. Janckereske Torschüsse noch und nöcher, Diego Metzelder und Pele Mertesacker wachsen über sich selbst hinaus, selbst Lahm macht seinem Namen erstmals keine Ehre mehr. Unser Polensturm stiehlt sich ein ums andere Mal an der gegnerischen Abwehr vorbei, bricht in den Strafraum ein und raubt dem Gegner die Punkte - gelernt ist gelernt. Wo kommt das plötzlich alles her? Hat man die Gegner nur dreieinhalb Jahre lang in Sicherheit wiegen wollen? Oder warum wurde all das in der Vergangenheit nicht abgerufen?

A propos Vergangenheit - dieser gehören nun auch alle holländischen Träume vom Titelgewinn an. Während die wackeren Wohnwagenfahrer noch während der Gruppenspiele für sich in Anspruch genommen hatten, man müsse den Pokal schon deswegen holen, weil man ja aus dem Hol-Land stamme, wird nun deutlich, dass der Verweis auf den Landesnamen zwar zutreffend ist, jedoch auf die korrekte Landesbezeichnung "Niederlande" hätte Bezug genommen werden müssen, die sich ja bekanntermaßen durch eine etwas unglückliche spätmittelalterliche Lautverschiebung aus dem wunderschönen Wort "Niederlage" entwickelt hat.

Das Spiel Deutschland Schweden habe ich mir übrigens beim Public Viewing angesehen. Tolle Sache das, zumal die meisten Fans dort schon beim Eintreffen sowohl eine Flagge als auch eine Fahne haben. Auch empfiehlt es sich, wasser- bzw. bierfeste Kleidung anzuziehen, denn nicht jeder der Anwesenden denkt beim Hochreißen der Arme zum Torjubel daran, dass es gewisse physikalische Gesetze gibt, die dazu führen, dass man einen gefüllten Bierbecher zwar abrupt mit nach oben reißen kann, das ebenso abrupte Abbremsen der Bewegung bei Erreichen der Vollstreckung des Armes allerdings nur die Aufwärtsbewegung des Bechers, keineswegs aber jene des darin befindliche Biers abstoppt. Welches sodann nach Absolvieren einer wunderschönen Wurfparabel auf die Umstehenden herabregnet.

Schaut man sich die Spiele auf der Fanmeile in Berlin, Hauptstadt der DDR, oder gar beim Public Viewing in Sachsen an, gibt es eine faszinierende Methode, die Spannung weiter zu erhöhen. Man muss nur bei jeder der vielen unglücklichen Aktionen des Herrn Ballack für die Umgebung laut und vernehmlich kommentieren: "Ja klar, ist halt ein Ossi!" oder "Was will man erwarten, Ossi bleibt Ossi?!". Oddset nimmt Wetten auf die Überlebenschancen der solchermaßen Auftretenden an. In Leipzig dauerte es immerhin eine Viertelstunde, bis ich in die erste Schlägerei verwickelt war. Die ich natürlich gewonnen habe - ging ja nur gegen Ossis.

Vielleicht hätten sich das auch die britischen Fans überlegen sollen und ihre Randale nicht in Stuttgart, sondern irgendwo im Osten starten sollen. Na mal sehen, vielleicht klappt es besser mit dem Krawall, wenn sie erst einmal von den Portugiesen nach Hause geschossen worden und entsprechend böse geworden sind.

Wo wir gerade vom heimschicken reden. Die Italiener, gegen Australien wie so oft mit Tor in den Schlussminuten und einem unverdienten Sieg, werden dann ja wohl von den Ukrainern heimgeschickt, die gegen die Schweiz ganz bewusst nur das Nötigste getan haben, um die Nudelesser in Sicherheit zu wiegen. Sollten die Ukrainer dennoch verlieren, müssten die Deutschen eben wieder die Drecksarbeit machen und die Azurri aus dem Turnier bomben. Was soll's, es wäre ein netter, nicht zu schwerer Aufbaugegner, um sich für das Finale gegen Brasilien warmzuspielen.

ni