Man muss Rudi Völler einfach verstehen
Leipzsch 2012: Belanglose Gegenwart soll olympische Zukunft möglich machen
Österreicher sind nicht viel wert
Tante-Käthe-Superstar
Deutschland nur Vize-Weltmeister
Die Zahlen beweisen:Deutschland wird Weltmeister

Nach dem Ausrasten bei Weizenbier-Waldi

Man muss Rudi Völler einfach verstehen


Dass die Samstagabend-Fernsehunterhaltung in der Krise steckt, kann seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr behauptet werden. Eben hatte Gerhard Delling nach der blamablen Vorstellung der DFB-Kicker auf Island noch süffisant von dieser Misere gesprochen. Binnen weniger Sekunden gelang es anschließend Rudi Völler, diese These überzeugend zu widerlegen. Er könne sich den "Scheißdreck" von Netzer und Delling nicht mehr anhören, dauernd werde von neuen Tiefpunkten "gelabert", an denen die Leistungen der Nationalmannschaft angeblich angekommen seien, Netzer habe in seiner aktiven Zeit doch nur Standfußball gespielt, und so weiter und so fort. Und erst einmal richtig in Rage gekommen, setzte es dann auch gleich noch einen Seitenhieb in Richtung seines Gesprächspartner "Waldi" Hartmann, der doch sicher schon drei Weizenbier intus habe, was das auch immer heißen sollte.

Man muss Rudi Völler verstehen. Zwar nicht wie Stoiber, Westerwelle und Schröder, die nur zwei Tage später irgendwie der gleichen öffentlichen Meinung wie der Teamchef waren. Aber Rudis Werdegang lässt eben keine andere Reaktion zu. Zum einen, weil ein hochbezahlter Sportjournalist wie Gerhard Delling natürlich für einen ehemaligen Straßenfußballer auch dann den exakten Gegenentwurf zur eigenen Biographie verkörpert, wenn dieser Sportjournalist immer noch wie ein zu schnell auf der sozialen Leiter aufgestiegener Manta-Fahrer anmutet. Dann aber auch, weil Netzers freimütige Eingeständnisse, selbst auf dem Platz nie einen Schritt zuviel gelaufen zu sein, in den Ohren eines Strafraumwühlers natürlich wie blanker Hohn klingen müssen. Ganz abgesehen davon, dass Netzer nur einmal bei einer Weltmeisterschaft zu einem Kurzeinsatz gekommen ist und Völler immerhin Weltmeister geworden ist. Und schließlich, weil jemand, der seine Profi-Karriere ausgerechnet in Offenbach begonnen hat, das Gefühl des Underdogs logischerweise nie wieder los wird.

Aber wie dem auch sei: Auf jeden Fall freuen wir uns schon auf das nächste Interview, das Weizenbier-Waldi mit Rudi Völler führen wird. Wobei uns aus strikt patriotischen Erwägungen ein Gespräch nach einem Sieg natürlich lieber wäre als eine noch so amüsante Nachbereitung eines weiteren deutschen Fußballdebakels.


cc



Leipzsch 2012

Belanglose Gegenwart soll olympische Zukunft möglich machen


Nach der NOK-Entscheidung, Leipzig für Deutschland ins Rennen um die Olympischen Spiele 2012 zu schicken, war die Begeisterung in der so genannten "Heldenstadt" verständlicherweise am größten. Und zwar so groß, daß amtlicherseits nicht einmal davor zurückgeschreckt worden ist, von der "schönsten Stunde in der Geschichte Leipzigs seit den Tagen der friedlichen Revolution" zu sprechen. Ein Vergleich, der natürlich in erster Linie ein bezeichnendes Licht darauf wirft, dass es seit den letzten Tagen der DDR mit Leipzig konsequent bergab gegangen ist. Zur Landeshauptstadt hat es nicht gereicht. Als Messestadt spielt man mittlerweile allenfalls in der zweiten Liga. Und sportlich sind aktuell vor allem zwei Fußballvereine vorzuweisen, die es in der Oberliga Nordost-Süd mit Gegner aus Hoyerswerda, Pößneck, Grimma und Neugersdorf zu tun haben.

Im Rennen um die Olympischen Spiele soll Leipzsch also jetzt gegen New York, Madrid, London, Paris und Rio de Janeiro antreten. Wobei strafverschärfend hinzukommt, dass die sächsische Stadt mit einer gewissen Vergangenheit und einer belanglosen Gegenwart dies auch noch stellvertretend für ein ganzes Land tun soll und es dabei auch und gerade auf Internationalität ankommt. Das kann doch eigentlich nichts werden. Und zwar selbst dann nicht, wenn sämtliche Eingeborenen sich dazu durchringen, Deutsch und andere Fremdsprachen zu lernen.




jg

Traurig, aber wahr

Österreicher sind nicht viel wert


Beim Hamburger SV konnte sich Michael Baur bislang nicht durchsetzen. Der österreichische Defensivspieler sitzt oft auf der Bank. Seine Nichtberücksichtigung habe aber keinesfalls sportliche Gründe, behauptet der 33-Jährige. In einem Interview der Wiener Tageszeitung "Kurier" meinte er: "Als Österreicher bist du hier nicht viel wert."
Jetzt stellt man sich natürlich die Frage, wie Baur darauf kommt, dass ein Österreicher nur "HIER" - also beim HSV - nicht viel wert sei. Denn dass Österreicher ÜBERALL nicht viel wert sind, ist vielleicht traurig, aber leider auch wahr...




hs

Alle lieben Rudi Völler

Tante-Käthe-Superstar


Deutschland hat einen ultimativen Sommerhit: "Es gibt nur ein' Rudi Völler" (ein Blick ins Telefonbuch bestätigt übrigens die sachliche Richtigkeit dieser Aussage!)
Jetzt wird Völler mit Preisen und Auszeichungen überhäuft: bereits am Mittwoch erhält Völler die Ehrendoktorwürden der Universitäten Kraiova, Irkutsk und Santo Domingo di Bahia (Brasilien!). In der nächsten Woche wird ihm dann wegen seiner geschliffen formulierten Bulletins über den geistigen Gesundheitszustand von Oliver Bierhoff der Preis der "Deutschen Gesellschaft für Sozialpsychiatrie" verliehen. Auch wurde Völler für diverse Nobelpreise vorgeschlagen: Friedensnobelpreis, Nobelpreis für Physik (Viererkette!) und für den neugeschaffenen Nobelpreis für Leibesübungen. Zu Beginn der neuen Bundesligasaison wird Bundespräsident Rau Völler den "Grossen Orden der Bundesrepublik Deutschland am Grosskreuz und Hosenband mit Eichenblatt und Stern" verleihen. Anschließend wird Völler in die Ruhmeshalle grosser Deutscher ("Walhalla") aufgenommen und seine Büste neben Friedrich dem Grossen, Helmut Rahn und Heinrich Lübcke aufgestellt. Doch damit nicht genug: die Erzdiözese München und Freising (Inhaber: Kardinal Ratzinger) will dem Vatikan vorschlagen, Rudi heilig sprechen zu lassen. Begründung: dass der Teamchef mit einer "Gurkentruppe" ins Endspiel gekommen ist, sei mit normalen "naturwissenschaftlichen" Argumenten nicht zu erklären. Die grösste Überraschung kommt jedoch aus England. Der vor kurzem dort noch als "Panzergeneral" verspottete Völler wird von der Königin zum Ritter geschlagen. Titel: Sir Käthe.
Aber auch Mannschaftmitglied Carsten Jancker erhält eine Auszeichnung: die "Zitrone des Jahres" für die jämmerlichste Nebenrolle in einer abendfüllenden Veranstaltung. Wir gratulieren!




hs

Obwohl Carsten Jancker fehlte

Deutschland nur Vize-Weltmeister


Rätselraten herrschte im Lager der deutschen Fussballnationalmannschaft nach der Niederlage gegen Brasilien: obwohl der Mittelstürmer Carsten Jancker gar nicht auf dem Platz gestanden hatte, verlor Deutschland gegen die Südamerikaner! Team-Chef Völler will jetzt konsequent alle Spieler aussortieren, die im Endspiel dieselbe jämmerliche Figur, die bisher ausschliesslich Jancker vorbehalten war, abgegeben hatten. Darunter fallen Torwart Kahn (primitivste Anfängerfehler), Didi Haman (amateurhafter Ballverlust nach überflüssiger Tändelei im Mittelfeld), Torsten Frings (wiederholtes hinterhältiges Foulspiel) und Oliver Neuville (völlige Unkenntnis der Abseitsregel).



hs

Die Zahlen beweisen:

Deutschland wird Weltmeister


Nach einer Zahlentheorie*, die sich in den letzten Tagen lauffeuerartig verbreitet hat, soll das Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft bereits entschieden sein. Demnach steht bereits seit mehreren Jahren fest, dass die Auswahl Brasiliens in diesem Jahr mit absoluter Sicherheit den WM-Titel holen wird. Ein Zahlenspiel, das jedoch zum einen das Manko hat, dass die Allgemeine Relativitätstheorie im Vergleich zu ihm so leicht verständlich anmutet wie eine Anleitung zum Schuheanziehen. Außerdem hält diese Theorie aber auch keiner Überprüfung stand.

Es verhält sich nämlich ganz anders. Und zwar gleich aus mehreren Gründen:

Deutschland ist bisher im Abstand von 20 und 16 Jahren Fußball-Weltmeister geworden. Nämlich 1954, 1974 und 1990. Daraus folgt, dass zwölf Jahre nach dem letzten Titelgewinn ein weiterer ins Haus steht. Und was ergibt 1990 plus 12 ? Richtig ! 2002 sind wir also wieder an der Reihe !

Untermauert wird dies noch durch eine weitere Gesetzmäßigkeit. Deutsche Nationalmannschaften waren beim fünften, zehnten und vierzehnten WM-Turnier erfolgreich. Nochmal zum Mitschreiben: 5 - 10 - 14 ! Logisch fortgesetzt wird diese Reihe durch die 17. Und zum wievielten Mal wird gerade der Weltmeister ausgespielt. Wieder richtig ! Zum siebzehnten Mal !

Ganz zu schweigen natürlich davon, dass Deutschland immer dann Weltmeister geworden ist, wenn die Türkei bei der WM hat mitspielen dürfen. Nämlich 1954.

Mit einfacher Zahlenlogik lässt sich aber noch mehr unwiderlegbar beweisen. Zum Beispiel, weshalb die Italiener diesmal schon in der Vorrunde rausgeflogen sind. Italien ist bekanntlich bisher dreimal Weltmeister geworden. Und zwar bei den WM-Turnieren von 1934, 1938 und 1982. Der WM-Titel ist also zunächst im Abstand von 4 Jahren und dann von 44 Jahren erneut gewonnen worden. Woraus natürlich folgt, dass man sich auf dem Stiefel erst 444 Jahre nach dem zunächst letzten Erfolg wieder so richtig freuen darf. Was demnach also im Jahre 2426 der Fall wäre. Auf den ersten Blick vielleicht eine relativ lange Wartezeit. Aber, liebe Italiener: Habt einfach ein bisschen Geduld ! Es wird dann ja auch auf jeden Fall klappen.

* Wir sehen es als Aufgabe unserer journalistischen Sorgfaltspflicht an, diese absurde Theorie hier zu dokumentieren:

Brasilien ist 1994 zum letzten Mal Weltmeister geworden, das vorletzte Mal 1970.
1994 + 1970 = 3964

Argentinien: Letzter titel: 1986, vorletzter titel: 1978
1986 + 1978 = 3964

Deutschland: Letzter titel: 1990, vorletzter titel: 1974
1990 + 1974 = 3964

Was heißen soll:
3964 - 2002 = 1962
Weltmeister 1962: Brasilien
Und damit angeblich auch wieder 2002




jg


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